Die Sowjetunion hat auf den Machtkampf in der chinesischen Führungsspitze mit einem neuen Verhandlungsangebot reagiert, das offensichtlich dazu bestimmt ist, den neuen Premierminister Hua Kuo-feng an den Konferenztisch zu locken. In einem Artikel der Parteizeitung Prawda forderte der Verfasser „I. Alexandrow“ – hinter dem Namen verbirgt sich einer der höchsten sowjetischen Führer –, die chinesischen Staatsmänner sollten noch einmal das sowjetische Verhandlungspaket aufschnüren und prüfen.

Eingehüllt wurden diese Erwägungen in die üblichen schweren Anwürfe gegen die Maoisten in Peking. Doch anders als im Januar, als Teng Hsiao-ping scheinbar die Nachfolge Tschou En-lais antrat, unterließ es „Alexandrow“ diesmal, zum Sturze Maos aufzurufen. Ein Entgegenkommen ließ sich auch an Zahlen ablesen: Bislang behaupteten die Sowjets, die Chinesen hätten ihnen 1,5 Millionen Quadratkilometer Territorium abverlangt jetzt sollen es nur noch 33 000 sein.

Aus Peking kam recht eigenartige Begleitmusik: Vor dem Eingang zur sowjetischen Botschaft explodierte ein Sprengsatz, der zwei Wachtsoldaten das Leben kostete. Die Regierung sprach von einem „konterrevolutionären Akt“ – anscheinend wollten junge Leute in das Gebäude stürmen und gerieten dabei in ein Handgemenge mit den Posten.