Die Abschaffung des Christentums wäre nur dann zu erreichen, wenn der Glaube der Menschen an Jesus Christus verhindert werden könnte. Gelänge es, den Glauben der Menschen an Jesus Christus abzuschaffen, so würde damit auch ein Stückchen Mitmenschlichkeit verlorengehen. Möglich wäre die Abschaffung der Auswirkungen des Christentums. Es ist jedoch fraglich, ob die sozialen Aufgaben wie Altersfürsorge, Kindergärten, Krankenhäuser und andere vom Staat so gut geleistet werden könnten wie von den christlichen Kirchen. Keinen direkten Nachteil hätte die Abschaffung von christlichen Bräuchen wie Taufen, Konfirmationen, Hochzeiten und Beerdigungen. Ein Fortfall der christlichen Seelsorge allerdings würde ein Vakuum hinterlassen. Die Folgen wären seelische Schäden bei vielen Menschen. Sollte das Christentum total abgeschafft werden, so würde das bedeuten, daß die christlichen Gebote auch nicht mehr Grundlage unserer Gesetzgebung sein könnten. Unsere Gesetzgebung ist in alter Tradition auf Grundlage der christlichen Gebote entstanden. Ein gleichwertiger Ersatz ist nicht vorstellbar. Freizeitgruppe des Amtes für Jugendarbeit Bünde

Abgesehen davon, daß dies nur eine spekulative Hypothese ist, es wäre kein Rückschritt, eher das Gegenteil. Wie im Namen aller Ideologien, so wurden auch im Namen des Christentums zahllose Verbrechen begangen (Hexen- und Ketzerverbrennungen im Mittelalter). Selbst heute, wo seine einfältigen Doktrine langsam verifiziert und abgeschwächt werden, hemmt das Christentum den Fortschritt, indem beispielsweise der Vertreter Gottes auf Erden die Anwendung der Pille verbietet, was sich besonders in den lateinamerikanischen Ländern fatal auswirkt. So bringt das Christentum auch heute noch Leiden, über Millionen Menschen. Leider ist unsere Kulturgeschichte und Ethik so eng mit ihm verknüpft, daß zweifelhafte Begriffe wie Sünde und Buße viele Menschen in unnötige Gewissenskonflikte stürzen. Nur läßt sich eine 1500jährige geistige Herrschaft nicht von heute auf morgen abschaffen. Martin Warnecke, 20 Jahre

Was müßte man tun, um das Christentum abzuschaffen? Kirchen abreißen? Christen, die ihren Glauben bewahren, in Gefängnisse stecken oder bei stärkerer Hartnäckigkeit „ausrotten“? Gott für null und nichtig erklären? Vielleicht würde sogar das eintreten, was nicht nur in der Sowjetunion geschieht: Christen werden in Zuchthäusern und Nervenheilanstalten festgehalten und gefoltert, und ihnen wird der Besuch höherer Schulen verweigert. Das Christentum abschaffen, hieße also nicht, irgend so einen traditionsreichen, äußeren, edelfrommen Halleluja-Popanz abzuschaffen, sondern Menschen ihre Freiheit und ihr Recht auf Religionsausübung zu rauben!

Wahrlich, was für ein Rückschritt wäre das! Sabine Heinich, 16 Jahre

In den meisten Fällen richtet sich die Kritik am Christentum nicht so sehr gegen die Religion an sich, sondern vielmehr gegen ihre institutionalisierte Form, gegen die Kirche. Das Christentum ist mit seinen Gedanken, Zielen Und Normen so sehr in unserer Erziehung, in unseren Idealvorstellungen von der zukünftigen Welt, in unseren Verhaltensweisen, ja in unserer gesamten Kultur verhaftet, daß eine Abschaffung gar nicht möglich wäre. Von dieser Perspektive aus betrachtet würde ein solcher Schritt nicht nur einen Rückschritt, sondern das Ende einer jahrtausendealten und noch immer vielversprechenden Kultur bedeuten. Elisabeth Köster, 19 Jahre

Bei den meisten von uns ist das Christentum in seiner eigentlichen Bedeutung, so wie von der Kirche gelehrt, längst abgeschafft. Bequemlichkeit, Gedankenarmut und lähmender Traditionalismus überdecken eigentlich leer gewordene Glaubensinhalte. Die tatsächliche Abschaffung des Christentums und seiner Institution, der Kirche, wäre somit kein Rückschritt, sondern nur logische Konsequenz eines längst vorhandenen Zustandes. Doch würden dann nicht die Fundamente eines christlich orientierten Staates, der unter dem Deckmäntelchen der Nächstenliebe nebenbei auch noch viele soziale Aufgaben von den kirchlichen Institutionen billig miterledigt bekommt, mit der Fassade des Christentums zusammenstürzen? Elmar Ott, 20 Jahre

Grundsätzlich muß man, wenn man von Christentum spricht, zwischen. Amtschristen und engagierten Christen unterscheiden. Für letztere wäre eine Abschaffung auch gar nicht möglich, da sie sich in erster Linie am Wort Gottes orientieren, das für sie größere Bedeutung hat als staatliche Maßnahmen oder Verbote. Denn bisher hat die Unterdrückung von Christen nie zum Aussterben christlicher Gemeinden geführt, sondern eher zu ihrer Festigung und zur Erneuerung des Glaubens. Ein Beispiel dafür sind die Untergrundgemeinden in vielen Ostblockländern.