Um dringlichen Bedürfnissen abzuhelfen und um das schulische Leben zu humanisieren, sind vor einiger Zeit schon Rauchzimmer in fortschrittlichen Erziehungsstätten eingerichtet worden. Diese Einrichtung für Schüler der Oberstufen hat sich wohl bewährt, denn sonst hätte man ja gehört, daß sie wieder abgeschafft worden sei.

Neuestens vernimmt man nun aus Saarbrücken, daß Kinder nicht nur fleißig rauchen, sondern häufig betrunken zum Unterricht kommen. Und zwar hat ein Abgeordneter diesen Umstand im Landtag zur Sprache gebracht und den Sprecher der Regierung zu der Äußerung veranlaßt, hier läge tatsächlich ein „erschreckendes Bild zunehmenden Alkoholmißbrauchs vor. Nicht nur stellte sich so in aller Öffentlichkeit heraus, daß schon Zwölfjährige mit einer nur durch den Geruchssinn wahrnehmbaren Fahne zur Schule kommen, es konnte auch darauf hingewiesen werden, daß schon zehn- und elfjährige Kinder „harte Getränke“ zu sich zu nehmen pflegen.

Anfangs mögen die Lehrer beobachtet haben, daß die geistige Spannkraft der Schüler unter dem Alkoholeinfluß nachließ. Inzwischen hat sich die Konzentrationsfähigkeit der Kinder so sehr verringert, daß sie dem kleinen Einmaleins in den Morgenstunden nicht mehr gewachsen sind. Sei es, daß die Kleinen die Nacht durchgesoffen haben, daß sie in der Morgendämmerung den Eltern an die Flasche gegangen sind, wir müssen hier wirklich von „Mißbrauch“ sprechen und „erschreckenden Bildern“, kurz: der saarländischen Regierung recht geben.

Nicht meine pädagogische Erfahrung – sie ist gering –, doch meine alkoholische sagt mir, daß Betrunkene sowohl ein erschreckendes, als auch ein verwirrendes Bild darbieten. Die einen singen, die anderen randalierer, und schließlich schlafen sie alle ein. Wie sollen die Lehrer da noch fähig sein, ihre Schüler auf den Numerus clausus vorzubereiten?

Es seien hier mehrere Vorschläge gemacht, die helfen können, daß aus diesem Dilemma der Schüler kein Delirium wird: Erstens brauchen wir ein Gesetz, das bundeseinheitlich festlegt, wieviel Blutalkohol ein Schüler in die Klasse mitbringen darf, je nach der Altersstufe von sechs bis achtzehn. Zweitens brauchen wir Mini-Kontrolltüten, die auch von Kinder-Zweitens und Kindermündchen unschwer beherrscht werden können. (Beispiel: „So, liebe Kinder. Statt des früher üblichen Morgengebets blasen wir jetzt alle hübsch gemeinsam in unsere Tütchen!“) Drittens brauchen wir in unseren Schulanstalten eine gewisse Anzahl von Ernüchterungsräumen.

Besser allerdings als all solche Richtlinien, die hier und dort den Aufschrei „Zu spät!“ provozieren mögen, sind Vorbeugemaßnahmen. Das heißt: Man muß den Kindern in der Schule den vernünftigen Umgang mit dem Alkohol beibringen. Nur auf diese liberale Weise kann der kindliche Alkoholmißbrauch gesteuert werden. Verbote nützen bekanntlich nichts. Aber ein Kognak vor einer französischen, ein Whisky vor einer englischen oder ein Großer Klarer aus dem Norden unmittelbar vor einer geographischen Klassenarbeit kann nach den Einsichten der neuzeitlichen Erziehungswissenschaft nicht falsch sein. Er ist also nützlich.

Haben wir schon die bewährten Rauchzimmer in den Schulen, so ist das, was uns fehlt, mit einem einzigen Wort zu nennen: Schulkneipen!