Von Peter Wapnewski

I.

Als erstes wurde die Öffentlichkeit ausgeschlossen, sprich: die Kollegen von der Presse. Das hat schon seine kleine Tradition und auch seine feine Ironie. Denn wer (wie etwa im vorliegenden Falle) Mitglied des PEN ist, der darf bleiben und darf schreiben, für wen immer er will. „Takt und Stil“ freilich, so forderte es der Generalsekretär, sollten dabei die Feder lenken – und das ist ja überhaupt eine beherzigenswerte Maxime für Schreiber jeder Art. Der neugewählte Präsident übrigens – von den Wahlen wird noch zu reden sein – nannte in der abschließenden Pressekonferenz „zwei große T“ als Träger künftiger Arbeit: Toleranz und Transparenz, und so werden die journalistischen Kollegen wohl künftig im Saal bleiben dürfen (es sei denn, es gehe um personale und finanzielle Interna).

Überhaupt die Presse: Der Zeitungsstreik nahm der Jahrestagung des PEN-Zentrums der Bundesrepublik ein gut Teil Publizität, und da Schriftsteller Publizität brauchen, um leben und am Leben bleiben zu können, kam der Unternehmung ein Teil ihrer Gewichtigkeit unversehens abhanden.

II.

Worin bestand die Gewichtigkeit? Vor allem in der Aufgabe, nach Entlastung und Rücktritt des alten Präsidiums satzungsgemäß ein neues zu wählen. Der scheidende Präsident Hermann Kesten, den Krankheit an der Reise nach Düsseldorf gehindert hatte, erfuhr Dank für seinen zuweilen altmodisch scheinenden und dann doch so praktisch und gegenwärtig sich auswirkenden Idealismus durch die Wahl zum Ehrenpräsidenten. Mit diesem Beschluß ehrte sich auch die Versammlung. Thilo Koch wurde der Abschied vom Amt des Generalsekretärs leicht gemacht dadurch, daß man es ihm noch mal schwer machte. Politische Gegensätze haben da ein Klima der Affekte erzeigt, das es auch dem aufmerksamen Betrachter beider Seiten schwermacht, Fehler zu unterscheiden von Mißverständnissen, Zufälle von Mißgriffen und Verdienst von Glück. Man verübelte Koch auch auf dieser Tagung Äußerungen, die der Publizist gemacht hatte und die man dem Generalsekretär in Mund und Schuhe schob. Konsequent zu Ende gedacht, würde ein solcher Rigorismus in der Beurteilung öffentlichen Auftretens einen Maulkorberlaß für den Amtsträger bedeuten – und den wollte die Mehrheit der Versammelten gottlob nun doch nicht.

III.