Fahrt in den Busch – Urlaub an der Elfenbeinküste

Von Haug von Kuenheim

Wenn ich auf dem Weg in den Süden im Ettlinger Erbprinzen meinen ersten Gin-Tonic trinke, weiß ich, der Urlaub hat begonnen, der erholsame Urlaub, der einen im der Piazza in Ascona Leute betrachten oder in der Provence träumen läßt. Sehr aufregende Ferien sind das natürlich nicht. Die finde ich (und gönne ich mir) in Afrika. Wenn ich in Daressalam oder in Abidjan aus dem Flugzeug steige und mir die Schwüle wie ein heißes Tuch entgegenschlägt, weiß ich, die wahren Ferien haben begonnen, und ein Stückchen Abenteuer wird Für ein paar Tage Wirklichkeit.

Das letztenmal war es Abidjan an der Elfenbeinküste. Die afrikanischen Abenteuer, um es vorwegzunehmen, kann ein durchschnittlicher Mitteleuropäer mehr oder weniger schadlos überstehen. Denn so schnell treten die Elefanten nicht, und so war es in meinem Fall lediglich eine leichte Verkühlung, denn der Zimmerservice brachte die erbetene zweite Decke nicht – sogar der Hoteldirektor war machtlos: "Das ist Afrika." Dafür wurde der Gast in Zimmer 211 mit immer neuen Decken eingedeckt.

Nun ist ja Afrika bekanntlich ein Land, in dem erbarmungslos die Sonne brennt, und so besteht die Gefahr zu frieren nur in den vollklimatisierten Hotels. Ein solches Hotel, Kenner behaupten, es sei das schönste Inter-Conti-Hotel der Welt, ist das "Ivoire". Wäre der Ausdruck nicht so abgegriffen, könnte man dieses Symbol Abidjans für wirtschaftlichen Wagemut eine Nobelherberge nennen. Gebaut wurde es von Moshe Mayer, einem in Genf ansässigen Israeli, dem es auch heute noch gehört und der ein intimer Freund des Präsidenten der Elfenbeinküste, des 70jährigen Felix Houphouet-Boigny, ist. Wenn etwas nicht klappt im Hotelbetrieb, schaltet sich der Präsident persönlich ein – freilich nicht gerade bei fehlenden Decken für Zimmer 310.

Wie alt ist die antike Maske?

Zum Hotel gehören eine Eisbahn, ein Spielkasino und eine exquisite Kongreßhalle mit den modernsten technischen Raffinessen. Für unsere Zahnärzte wäre es der ideale Ort, um dort über eine Anhebung ihrer Gebühren zu beschließen. Sie könnten, ließen sie ihre Lebensgefährtinnen zu Hause oder schickten sie sie für einen Vier-Tage-Ausflug in den Busch (ich komme darauf noch zurück), sich zudem dort noch kräftig amüsieren. In Treichville, einem Stadtteil Abidjans, wo die Markthallen stehen, endet die Nacht nie. Dort haben dunkle Schönheiten mit Antilopenaugen und samtiger Haut viel Verständnis.