Muttertag 1976

Wenn am 9. Mai die Mutter etwas länger schlafen darf, weil der Vater ausnahmsweise mal das Frühstück richtet, dann ist Muttertag. An diesem gleichen 9. Mai wird die 48jährige Rosalbina Gil, Mutter von 14 Kindern, sich aus ihrer Lehmhütte aufmachen, um für 12 Kinder etwas zu essen zu finden. Ort der Handlung: Bogota, Kolumbien, Slumgebiet Meissen. Vor zwei Monaten, nach dem Tod des Familienvaters, waren sie nach Bogota gekommen. Rosalbina hoffte hier Arbeit zu finden und wollte die Kinder zur Schule schicken. Aber, Arbeit fand sie nicht, da sie keine Ausbildung hat. Rosalbina wurde krank. Nur drei Kinder gehen zur Schule. Die beiden ältesten Söhne sind aufs Land zurückgekehrt, um als Kaffeepflücker zu arbeiten. Beide verdienen zusammen monatlich 224 Mark. 92 Mark schicken sie an die Mutter, damit sie und die Geschwister nicht verhungern. Rosalbina schläft und wohnt mit ihren 12 Kindern auf zwölf Quadratmetern. Einziger Besitz der Familie ist ein Gaskocher, Möbel und Vorräte gibt es nicht. – Wenn der deutsche Muttertag mit dem Duft des väterlichen Frühstückskaffees beginnt, wird Rosalbina Gil ihre Kinder wecken, damit sie sich aufmachen; um etwas zu essen zu besorgen. Durch betteln oder sonst irgendwie. Muttertag 1976: Wer Müttern wie Rosalbina helfen, möchte, der kann eine Familienpatenschaft bei Terre des Hommes übernehmen, 45 Osnabrück, Postfach 4126.

Nordirland – pro Kopf

Die seit sieben Jahren andauernden blutigen Unruhen in Nordirland haben nicht nur über 1000 Menschenleben gefördert, sondern jeden Bewohner des Vereinigten Königreichs – vom Greis bis zum Säugling – ziemlich genau drei britische Pfund gekostet. 150 Millionen Pfund mußten für zerstörtes Eigentum, etwas über 21 Millionen Pfund für Körperschäden bezahlt werden. 34 000 Schadensfälle sind noch zu regulieren (Wert rund 83 Millionen Pfund), was die Pro-Kopf-Unkosten des Bürgerkriegs auf vier Pfund heben wird.

Dohnanyi aussichtslos?

Klaus von Dohnanyi ist tief gestürzt. Im Bundestagswahlkampf 1972 hatte er als Minister für Bildung und Wissenschaft die SPD-Landesliste von Rheinland-Pfalz angeführt. Im Wahlkampf 1976 ist er auf Platz 13 gerutscht. Da vor vier Jahren in Rheinland-Pfalz nur vierzehn SPD-Abgeordnete gewählt wurden, muß Dohnanyi um seine Rückkehr nach Bonn bangen. Er entspricht nicht dem traditionellen Bild des SPD-Abgeordneten. Als braver und fleißiger Arbeiter im Weinberg der Partei hat er sich wohl nicht ausgezeichnet, er hat Fehler gemacht und vermutlich auch manche seine Überlegenheit spüren lassen. Daß er zu den interessanten Köpfen der SPD-Fraktion zählt, einfallsreich und redegewandt ist, läßt sich gewiß nicht bestreiten. Brandt und Schmidt setzten sich dafür ein, ihn auf einen sicheren Listenplatz zu plazieren. Die Basis in der Pfalz aber hat anders entschieden.

Herr Kollege