Der bisher schwerste Arbeitskampf in der Druckindustrie ist am vergangenen Donnerstag zu Ende gegangen. Am 13. Streiktag einigten sich der Bundesverband Druck und die IG Druck und Papier darauf, daß die rund 145 000 Beschäftigten der Druckindustrie vom 1. Juni 1976 an sechs Prozent mehr Lohn erhalten. Für die beiden Monate April und Mai werden jedem Arbeitnehmer einmalig 275 Mark gezahlt. Nach Angaben der IG Druck werden durch diesen Tarifvertrag Einkommensverbesserungen von rund 6,6 Prozent erreicht, die Arbeitgeber errechnen dagegen 6,3 Prozent.

Für die rund 6000 deutschen Druckbetriebe bezeichneten die Arbeitgeber den Abschluß als „gerade vertretbar.“ Beide Seiten mußten Zugeständnisse machen. Die von Leonhard Mahlein geführte Druckgewerkschaft hatte zu Beginn der Verhandlungen Ende April noch Lohnerhöhungen von neun Prozent, mindestens aber 140 Mark monatlich, gefordert. Die Arbeitgeber hatten 5,4 Prozent geboten, die in einer Urabstimmung zurückgewiesen wurden.

Auch der Vorschlag des als Schlichter angerufenen Chefs der Bank für Gemeinwirtschaft, Walter Hesselbach, fand nicht die Zustimmung der Tarifparteien. Hesselbach hatte 5,9 Prozent mehr Lohn plus 0,3 Prozent für Strukturverbesserungen vorgeschlagen. Erst der zweite Schlichter, der nordrheinwestfälische Arbeitsminister Friedhelm Farthmann, brachte die Tarifpartner unter einen Hut.

Während des Arbeitskampfes erschienen im größten Teil des Bundesgebietes keine Zeitungen. Lediglich 1,5 Millionen Exemplare, der gesamten Tageszeitungsauflage von 21,5 Millionen wurden gedruckt. Die Sonntagszeitungen, überwiegend Objekte des Springer-Verlags, erschienen nicht. Ihre Gesamtauflage beträgt 3,5 Millionen.

Die Kosten des Streiks in der Druckindustrie (Jahresumsatz 1975: 13,4 Milliarden Mark) treffen nicht nur die Druckbetriebe selbst. Nach Schätzungen aus Gewerkschaftskreisen kostete jeder Streiktag die IG Druck und Papier rund fünf Millionen Mark, Der Zentralausschuß der Werbewirtschaft schätzte den der deutschen Volkswirtschaft entstandenen Schaden „allein durch fehlende Werbung“ auf rund 200 Millionen Mark täglich. Die Papierindustrie erlitt nach ihren Berechnungen täglich einen Umsatzverlust von über 10 Millionen Mark. Die Hauptbetroffenen selbst, die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage schätzten, daß jeder Streiktag ihnen einen Umsatzverlust von 60 Millionen Mark verursacht hat.