Man könnte viel billiger bauen – Wohnwünsche und Wohnwirklichkeit (IV und Schluß)

Von Gerhart Laage

Nahezu alle Bewohner von Einfamilienhäusern, nämlich 95 bis 98 Prozent, halten diese Wohnform für die beste. Zugleich wünschen sich 62 bis 70 Prozent der Bewohner von mehrgeschossigen Häusern ein Einfamilienhaus, weil sie es ebenfalls für die beste Wohnform halten. Diese Prozentsätze sind seit Jahrzehnten annähernd konstant. Die dahinterstehenden Wohnwünsche spiegeln sich in den Immobilienanzeigen für Einfamilienhäuser: In der Familie „Fröhlich“ überzeugt den Vater „Finanzierung und robuste Bauweise“, die Mutter „moderne Küche, das Bad, die zwei WCs und der große Garten“.

Aber die Hoffnung, die für viele mit den Anzeigen von „exklusiven Einfamilienhäusern“ für „Anspruchsvolle“ verbunden ist, wird für die meisten zu einer Enttäuschung, weil sie das Traumziel nicht erreichen. Und diese Enttäuschung geht dem einzelnen an die Nieren; besonders dann, wenn man davon ausgeht, daß – wie der Philosoph. Martin Heidegger es sagte – im Wohnen das Menschsein beruht.

Der Gesetzgeber allerdings hat diese philosophische Aussage ernst genommen; im Bundesbaugesetz heißt es, daß „Bauleitpläne“, die die Grundlage jeder Bebauung sind, den „Wohnbedürfnissen der Bevölkerung dienen“ sollen. In der Lebenswirklichkeit indessen erwecken Bauten oft nur diesen Eindruck: „Wir wollen eine zehnprozentige Rendite auf die Investition.“ Andere vermitteln eine andere Botschaft: „Wir wollen eine fünfzehnprozentige Rendite“, oder manchmal: „Wir sind nicht zum Darinleben gebaut, sondern lediglich zum Verkaufen“; so sagte es Parkinson. Das ist zwar überspitzt polemisch; aber stellt sich nicht für viele die Diskrepanz zwischen Wohnwunsch und -Wirklichkeit so dar?

Das ist nicht nur ein technisch-wirtschaftliches, sondern auch ein politisch-planerisches und keineswegs nur ein deutsches Problem. Der gleiche Wohnungs- und Städtebau wird in Westwie in Osteuropa praktiziert. Der durchschnittliche technische Komfort ist bei uns nur wesentlich höher. Hier wie dort gibt es jedoch neben dem öffentlich geförderten, dem offiziellen Wohnungsbau eine hartnäckige Subkultur: das private Einfamilienhaus, das sozusagen parasitär an den Stadträndern wuchert.

Auch in Moskau und Ostberlin ist der nicht zu bändigende Drang nach der Datscha oder dem schwarz gebauten Haus im Grünen, außerhalb staatlicher Planung und Kontrolle, ein Planerproblem. Der Bürger unterläuft auch dort den offiziellen Städtebau.