Und wie gerät da Prinz Bernhard ins Bild:

Als die Sache ruchbar wurde, war der Prinz nicht in Holland, sondern im Schweizer Kurort Davos, um vor einem Managerkongreß eine Rede über "Kapitalismus und westlichen Liberalismus" zu halten. Den Abend verbrachte er, wie holländische Journalisten schnell herausfanden, unter anderem mit seinem alten Freund aus gemeinsam bei der Royal Air Force verbrachten Fliegerlager im Zweiten Weltkrieg, Fred C. Meuser – inzwischen Lockheed-Generalvertreter für Europa und in der Schmiergeldaffäre in Washington oft genannt. Auf die Frage eines holländischen Journalisten antwortete Meuser gutgelaunt: "Nein, nach Holland komme ich nicht. Da werde ich ja gleich verhaftet."

Am nächsten Morgen ließ sich der Prinz noch von Meuser zum Flugplatz bringen. Im Haag versicherte er den Uyl: "Ik heb nimmer Goldontvangen." Die Donner-Kommission wurde aber mit seinem vollen Einverständnis eingesetzt.

Holländische Geschäftsleute, denen der missionarische Eifer mancher Sozialisten in den Uyls "Partei von der Arbeit" fehlt, scheinen mehr Verständnis als Empörung für die Rolle aufzubringen, die Prinz Bernhard in der Affäre spielt. Es sind schließlich seine vielbewunderten, erstklassigen Beziehungen im Netz der multinationalen Geschäftswelt und sein oft gerühmtes Talent als Public-Relations-Mann der holländischen Export-Industrie, die dem "Verkäufer-Prinzen" jetzt zum Verhängnis wurden. "Wenn man ihn schon als commis voyageur hinausschickt, dann darf man sich über Verkehrsunfälle dieser Art nicht so entrüsten", sagt einer.

Was seine Verbindungen für den holländischen Export bedeutet haben, ist heute schwer zu quantifizieren. Aber niemand leugnet, daß er jene Leute auf der Welt, die es sich noch immer etwas kosten lassen, einem echten Prinzen die Hand zu schütteln, gut bediente – und dabei mehr Türen öffnete und Geschäfte anbahnte, als es ein holländischer Ministerpräsident hätte tun können. Besonders in der angelsächsischen Öffentlichkeit gewann er Bewunderung als Reiter, Skiläufer, Sportwagenfahrer, Pilot und Taucher, als der schneidige Prinz deutschen Ursprungs, und erwarb sich Sympathien als Vorsitzender der internationalen Vereinigung aussterbender Tiere. Um diesen "Wildlife Fund" zu finanzieren, gründete Bernhard den "1001 Club": die letzte Eins war er selber; wer einer von den tausend anderen sein wollte, hatte nichts weiter zu tun, als dem Wildlife Fund 10 000 Dollar zu stiften.

Talent als Manager

Diese Chance, ihm auf quasi gesellschaftlicher Ebene zu begegnen, ließen sich die Nabobs der Welt nicht entgehen, und besonders wählerisch ging es auch nicht zu: Unter den Clubmitgliedern befand sich der berüchtigte Robert Vesco, der auf diese Weise eine neue Basis für die in Verruf geratenen IOS-Aktien zu finden hoffte und den Prinz Bernhard holländischen Bankiers flott ans Herz legte (offenbar ohne Erfolg).