"Es bleibt eine Wahrheit", sagte ein Politiker der Linken in der Fernsehdiskussion über Bestechungsgelder, "daß die Linke kein Interesse an einer Verfassungskrise oder am Ende der Monarchie hat." Eine Krise um das Königshaus ist auch das letzte, was sich Ministerpräsident den Uyls Sozialisten noch leisten können. Im Herzen sind sie zwar Anti-Royalisten, doch mit einer Kampagne gegen das Königshaus können sie bei den Bürgern nichts gewinnen. Die nächsten Wahlen finden im Mai 1977 statt. Joop den Uyls zwiespältige Haltung zum Königshaus wird deshalb auch mit dem Satz umschrieben: "Er ist gegen die Krone, aber für die Königin."

Strafverfahren gefordert

Wie schon so oft in seiner knapp dreijährigen Regierungszeit muß den Uyl dem starken radikalen Flügel in seiner Partei und in der Regierungskoalition Grenzen ziehen, ohne ihn zu brüskieren. Auf der anderen Seite fühlen sich die rechten Parteien im Parlament stark genug, um ihr eigenes Süppchen am Feuer der Lockheed-Affäre zu kochen und sie zu einer Herausforderung der Regierung zu benutzen. Zu welchem Ergebnis die Donner-Kommission bei ihrer Untersuchung auch kommt, der Premier wird viel Takt und Taktik brauchen.

Der schlimmste Ausgang der Affäre wäre, wenn Prinz Bernhard im Zwielicht bliebe, weder schuldig gesprochen noch weiß gewaschen. Die Königin, so fürchten viele, würde in diesem Falle mit ihrem Mann solidarisch sein und zurücktreten. Daß aber Kronprinzessin Beatrix unter diesen Auspizien die Nachfolge ihrer Mutter ohne weiteres antreten würde, wagen manche Beobachter der eigenwilligen Prinzessin zu bezweifeln. Wenn indes die Unschuld Bernhards eindeutig bewiesen werden sollte, würde gleichwohl die Kritik am Umgang des Prinzen mit den an diesem internationalen Bestechungsskandal Beteiligten immer noch fortdauern.

"Solche Göttlichkeit", sagt Shakespeare, "umgibt den König." Wie wenig das heute noch stimmt, macht die Forderung holländischer Rechtsgelehrter deutlich, Prinz Bernhards Verfehlungen unter dem Prinzip der Rechtsgleichheit zu beurteilen und ihm ein ordentliches Strafverfahren wie jedermann zu machen. Wahrscheinlich haben sie recht. Dennoch möchte man mit Bernard Levin trauern, der in einem melancholischen Kommentar zum 50. Geburtstag der englischen Königin – betitelt: Der Tod der Könige – schrieb: "In demokratischen Ländern sitzen die Monarchien heute in einer Falle. Je mehr sie versuchen, Glanz und Glamour abzustreifen und sich auf dem Marktplatz mit dem Volk gemein zu machen, um so mehr schwindet ihre eigentliche Funktion, ferne und strahlende Figuren zu sein. Was bleibt, ist ein Vakuum, in das Kritik eindringt."