Von Joachim Nawrocki

Lange hat es gefehlt, nun ist es unter neuem Titel erschienen, das

"DDR Handbuch"; Hrsg. vom Bundesministerium für Innerdeutsche Beziehungen; Verlag Wissenschaft und Politik, Köln 1975; 992 S., 29,50 DM.

Das letzte Nachschlagewerk dieser Art, erschienen unter dem Titel "A bis Z", stammt von 1969. Längst war die Zeit über seinen Inhalt hinweggegangen. Nach zahlreichen Klagen, auch Anfragen im Bundestag, machten sich die ministeriellen Herausgeber endlich ans Werk. Die wissenschaftliche Leitung übernahm Professor Peter Christian Ludz, die redaktionelle Arbeit lag bei Johannes Kuppe. Verglichen mit der alten Ausgabe enthält die neue nicht nur rund 160 Druckseiten mehr, sondern hat auch ein größeres Format. So ist der Inhalt ungefähr verdoppelt worden.

Ursprünglich war, nach den Worten des zuständigen Ministers, geplant, das neue Handbuch schon 1974 herauszubringen. Dann aber wurde – weil die Mittel bewilligt waren – die restliche Arbeit in einem Parforceritt mehr oder minder bewältigt. Bei ähnlicher Gelegenheit hatte Minister Franke einmal erklärt, es gehe "ja wohl um die Qualität und nicht darum, ob ein Buch auf dem freien Markt zur Frühjahrs- oder zur Herbstmesse erscheint".

An diese Maxime hat sich sein Haus beim DDR-Handbuch nicht gehalten. Um wenigstens den Erscheinungstermin 1975 einzuhalten, wurden vorliegende Sachartikel nur noch flüchtig überarbeitet, so daß etwa unter dem Stichwort "Berlin" Bevölkerungszahlen und wirtschaftliche Daten von 1972 angegeben werden.

Dennoch: Fehler hier, Auslassungen da, vereinzelte Plagiate dort sind bei einem solchen Werk unvermeidlich, doch sind sie selten. Für Wissenschaftler, Journalisten, Lehrer, Referenten und Studenten ist es unentbehrlich. Bleiben die falschen Proportionen: Das Kapitel über "Eigentum" ist kaum länger als das über "Agrarflug". Wer zum Beispiel etwas über Organisation und Produktionsablauf in Betrieben oder etwas über die Wissenschaftsorganisation der DDR erfahren will, muß es sich aus einer Vielzahl von Stichworten zusammensuchen. Es fehlen häufig die globalen Übersichten.