Von Frank Otte

Die deutschen Athleten hoffen in Montreal auf einen Medaillensegen; die deutschen Unternehmer haben die Hoffnung auf einen Segen in der Ladenkasse längst aufgegeben.

Acht Wochen bevor die Eröffnungsfanfare zu den 21. Olympischen Spielen ertönt, steht für sie fest: eine Pleite auf der ganzen Linie. Worum sich noch vor vier Jahren in München Hemden- und Feuerzeugfabrikanten, Schmuck- und Glashersteller, eine ganze Schar von Souvenirartikelmachern rissen, die kommerzielle Auswertung des Olympia-Emblems, das reizt in diesem Jahr niemanden mehr.

„Die Deutschen sind olympiamüde, sie haben die Schränke noch voll mit Andenken an München, und mancher Unternehmer hat sich bei der Fußballweltmeisterschaft 1974 und den Winterspielen in Innsbruck die Finger verbrannt“, so erklärt Igor Schou-Kjeldsen die Unlust. Als Repräsentant des Organisationskomitees der Olympischen Spiele (Cojo) ist er für die Vergabe von Lizenzrechten in der Bundesrepublik zuständig. Schou-Kjeldsen, ein in Frankfurt lebender dänischer Kaufmann, hat sich „die Hacken abgelaufen, um deutsche Fabrikanten vom Werbeeffekt olympischer Symbole zu überzeugen“. Vergebens.

Da noch bis vor kurzem unsicher war, ob Olympia 1976 überhaupt zur vorgesehenen Zeit (17. Juli bis 1. August) und am vorgesehenen Ort (Montreal) stattfindet, mochten die Umworbenen kaum eine Mark in ein so riskantes Geschäft investieren. Alles, was vor den Münchner Spielen 1972 wie am Schnürchen lief, klappte dieses Mal überhaupt nicht.

So waren zum Beispiel bayerische Glashütten nicht zu bewegen, ihre Bierseidel mit den fünf Ringen zu schmücken. Banken lehnten es ab, das Symbol auf Scheckheften abzudrucken. Und nicht ein Schokoladenfabrikant konnte sich dazu durchringen, seinen Kunden eine „Olympiaschokolade“ schmackhaft zu machen.

Selbst die Andenkenfabrikanten schreckten zurück, als ihnen der Biber „Amik“ als Nachfolgemaskottchen des Münchner Dackels „Waldi“ präsentiert wurde. Zu fremd erschien ihnen das kanadische Nagetier. Zu Anfang war noch die Anker-Spielwarenfabrik aus München daran interessiert, „Amik“ in handlichem Format als Kinderspielzeug zu produzieren. Die Firma legte auf der Nürnberger Spielwarenmesse auch Schnittmuster und Formen vor, verzichtete aber später, weil das Management dann doch „keine ausreichenden Absatzmöglichkeiten“ in der Bundesrepublik sah. Der Ausfall an Lizenzeinnahmen wird auf rund 10 000 Mark geschätzt.