DIE ZEIT

Das römische Rätsel

Selten hat eine Nachricht aus Brüssel Europa so sehr bewegt wie die Meldung, daß der Industriekommissar der Europäischen Gemeinschaft, der Italiener Altiero Spinelli, als Unabhängiger auf der Wahlliste der italienischen Kommunisten kandidieren will.

Wahlkampf als Befreiungskrieg?

Haben Strauß, Carstens und Dregger über die Wahlkampfstrategie der Union schon entschieden? Nach ihren Reden in der letzten Bundestagsdebatte sind Zweifel kaum mehr erlaubt: Der dominierende, jedenfalls alle anderen Themen übertönende Slogan lautet „Freiheit oder Sozialismus“.

Israel – mutlos

So wird Israel den Frieden, den es braucht, nicht gewinnen: Mit Schüssen unbeherrscht reagierender Soldaten gegen aufbegehrende junge Araber im besetzten Westjordanien.

Zankapfel Atom

Jimmy Carters außenpolitisches Debüt mit programmatischem Anspruch – vergangene Woche in New York – macht stutzig. Denn der demokratische Präsidentschaftsbewerber wird ja wohl sorgfältig kalkuliert haben, mit welchem zentralen Thema er am wirkungsvollsten den noch ausstehenden Ruf eines Politikers mit Kompetenz und Urteilskraft in der auswärtigen Politik erringen kann.

Die häßlichen Deutschen

Am Grabe der kommunistischen Gewalttäterin Ulrike Meinhof wollte ein Trauerredner ihr vertanes Leben als „Antwort auf die deutschen Verhältnisse“ rechtfertigen.

Zeitspiegel

Als im Oktober 1975 eine Bombe im Pariser Goethe-Institut gefunden wurde, war die Aufregung groß. Doch Lehren wurden aus diesem Anschlag keine gezogen.

Worte der Woche

„Dieser Mann, von dem ich nicht weiß, ob er krank ist, der dabei ist, das in dreißig Jahren aufgebaute Vertrauenskapital zu zerstören, dieser Mann ist schrecklich, dieser Mann muß weg aus dem Kanzleramt.

Ein unruhiger Geist, ein großer Verleger

Wer Gerd Bucerius geschwinden Schrittes im hellblauen, ein wenig eingelaufenem Polohemdchen ohne Schlips über die langen Gänge im fünften, sechsten oder siebten Stock des Hamburger Pressehauses eilen sieht, kommt nicht auf den Gedanken, daß der Verleger der ZEIT in dieser Woche siebzig Jahre alt wird.

Das Haus Oranien wackelt

Auf diesen Säulen ruht das Haus Oranien", entgegnete Königin Juliana einmal zwei Offizieren, die sich – im Glauben, unbelauscht zu sein – bei einem Derby über die stabilen Beine der Monarchin mokiert hatten.

Aussperrung ist unsittlich

Der Große Senat des Bundesarbeitsgerichts hat zwar in einem Beschluß vom 28. Januar 1955 die Aussperrung für rechtlich zulässig erklärt.

Aussperrung ist legitim

Ein gesetzliches Verbot der Aussperrung hat der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Vetter, in seiner Rede zum 1.

Nachlese beim Nachlesen

Das Nachlesen über den Streik im Druckereigewerbe fordert eine Nachlese heraus: zur Haltung der Politiker, zum Verhalten des Fernsehens, schließlich zum Auftreten der Presse selber, konkret der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Diener zweier Herren?

Ernst Albrecht hat’s schwer, doch nicht nur er. Längst wird in Niedersachsen nicht mehr nach jenen drei Abweichlern aus dem ehemaligen Regierungsparteienlager von SPD und FDP gefahndet, die es der oppositionellen CDU ermöglichten, ihren Kandidaten Albrecht auf den Sessel des Ministerpräsidenten zu katapultieren.

Marschall auf dem Olymp

Der allmähliche Rückzug des sowjetischen Parteichefs aus der Tagespolitik wird durch mehr Macht und Autorität kompensiert

Ein weiblicher Guillaume?

Was immer jetzt in Bonn geschieht – der Wahlkampf reißt alles in seinen Sog. So auch die jüngste Spionageaffäre, bei der bis zur Wochenmitte keineswegs sicher war, ob sie auch mit Heinrich Böx von der CDU oder nur mit der vollschlanken, dunkelblonden und umgänglichen Außenamtssekretärin Helga Berger zu tun hat.

Rettung für Finnlands Volksfront

Fünf Tage nach Abgabe einer Rücktrittserklärung hat sich der finnische Ministerpräsident Miettunen am Dienstag dieser Woche bereit erklärt, weiter zu regieren.

„Italiens Zukunft liegt in Westeuropa“

Spinelli: Die Kommunistische Partei hat mir am Freitagabend voriger Woche das Angebot gemacht. Ich habe mich aus verschiedenen Gründen entschlossen, es anzunehmen.

Wolf gang Ebert: Es lebe die Freiheit!

Die nächste Wahl wird uns so leicht gemacht, daß man das Wahlalter ruhig von 18 auf sechs herabsetzen könnte. Dem Wahlslogan der Union entsprechend haben wir nämlich nur die Wahl zwischen Freiheit und Sozialismus.

Ketzereien wider Lenin

Kompromißgerede ist, wenn es hart auf hart geht, wenig werbewirksam. Alle Welt war deshalb darauf gespannt, ob und wie die Kommunisten Italiens mit ihrer Parole vom „historischen Kompromiß“, den sie seit bald drei Jahren ihren christdemokratischen Widersachern anbieten, in die Wahlkampfarena einsteigen würden.

Wie Ford ins Straucheln kam

In drei Wochen sind die amerikanischen Vorwahlen zu Ende. Der klare Sieg Gerald Fords bei den republikanischen "primaries" seines Heimatstaates Michigan hat den Wahlfeldzug des Präsidenten gerade noch über eine vermutlich tödliche Klippe hinweggetragen.

Familienausflug nach Moskau

Der Kreml entschloß sich zu einer ungewöhnlichen Geste: Er bat die indische Premierministerin Indira Gandhi samt ihrem ganzen Clan zum Staatsbesuch an.

Ein falscher Freund

Eigentlich schien der Fall „Michael Gartenschläger“ abgeschlossen. Die Taten des 32jährigen Hamburgers, der binnen weniger Wochen zweimal an der Zonengrenze Selbstschußapparate vom Typ „SM 70“ abmontiert hatte und beim dritten Versuch, in der Nacht zum 1.

Irrlehre mit Profit

Der Süddeutsche Rundfunk räumte der Schreckensnachricht einen Platz in den Mittagsnachrichten ein, die Blätter des Landes waren am Dienstag nach Ostern voll von erschütternden Bildern und fetten Balkenüberschriften: Das „Pfahlbaudorf“ in Uhldingen am Bodensee, zwischen 1922 und 1940 angeblich nach wissenschaftlich erhärteten Vorbildern aus der Steinzeit und der Bronzezeit Latte für Latte, Halm für Halm feinsäuberlich nachgebaut, war am Karsamstag zu einem großen Teil abgebrannt.

Rockefeller in Frankfurt: Der Teufel der Linken

Der Leibhaftige schien nach Frankfurt am Main; gekommen zu sein. Im Schatten der Paulskirche seine Insignien: eine gepanzerte Luxuskarosse, mit dem amerikanischen Sternenbanner geschmückt.

Sozialkunde für Miesmacher

Drei Professoren an pädagogischen Hochschulen, ein Pädagoge und zwei Soziologen, haben sich im sie herausfordernden Klima der sogenannten Tendenzwende zusammengetan, um noch einmal ein Lehrbuch der Sozialkunde zu schreiben, das sich als eine "von den Interessen der Jugendlichen ausgehende (woher wissen sie, welches sie sind?) .

DDR zum Nachschlagen

Das letzte Nachschlagewerk dieser Art, erschienen unter dem Titel "A bis Z", stammt von 1969. Längst war die Zeit über seinen Inhalt hinweggegangen.

Marmorglanz und Monotonie

Er ist der attraktivste, auch der am meisten mit Geschichte getränkte Platz; für die ganze Stadt ist er ziemlich genau der geographische, für den gegenwärtigen Platzhalter der eindeutige politische Mittelpunkt: der Marx-Engels-Platz in Ost-Berlin.

Die Tricks der Natur von Rondane

Natürlich kam wieder mal alles anders als geplant. Ich wollte nämlich in Norwegen wandern, und zwar „nicht in einer organisierten Gruppe“, wie ich dem Norwegischen Fremdenverkehrsamt mitgeteilt hatte, sondern allein.

Die kleinen Veranstalter (68): Asmus-Studienreisen: Ein Buch voller Vorschläge

Im zweifachen Dutzend wird’s noch billiger. Ein studienbeflissener Lehramtskandidat beispielsweise kann in der Gruppe Gleichgesinnter Reisen erschwingen, von denen der saturierte, aber ungesellige Studienrat allenfalls träumt – bitte sehr: fünf Tage Moskau für 490 Mark, sieben Tage Kairo für 933 Mark, eine Woche New York (Linienflug, ohne Mahlzeiten) für 985 Mark, eine zweiwöchige Reise durch den Osten der Vereinigten Staaten (Philadelphia, Washington, New York) für 1300 Mark oder neun Tage Bahamas (Nassau) für 1295 Mark.

Alltag mit Amtrak

Bei geschlossenen Augen stellt sich das etwas unerfreuliche Gefühl einer bewegten Seefahrt ein. Es schüttelt und schlingert.

Urlaub beim Nachbarn

Die Insel Fünen, das sind in Wirklichkeit 29 dänische Inseln, im Kattegat gelegen, mit noch vielen unentdeckten Ferienplätzen, angefangen von der Hauptinsel mit dem Zentrum Odense (da denkt man an den dänischen Märchenerzähler Hans Christian Andersen), über Langeland bis hin zu den vielen kleinen Inseln, von denen ein Teil gar nicht bewohnt ist.

Gewußt, wo und wie

Das Taschenbuch „Nach dem Verkehrsunfall – Was tun?“ ist als Leitfaden für solche Verkehrsteilnehmer gedacht, die aus Unsicherheit und mangelnder Kenntnis des Straßenverkehrsrechts bei Unfällen der Situation hilflos gegenüberstehen.

„Reise richtig!“

Eine lange Liebe verbindet Ursula von Kardorff mit Paris, aber eines Tages sah es so aus, als wollte das Verhältnis sich trüben.

DEUTSCHLAND-PROSPEKTE

Ein handliches Heft, 48 Seiten stark und reichhaltig illustriert, ersetzt neuerdings im Ostseebad Travemünde die großformatigen und teuren Bildprospekte.

Italien: Trotz allem - Boom!

Für den Geschäftsführer eines großen deutschen Reiseunternehmens ist es ein Rätsel: „Italien ist als Urlaubsland ein Phänomen! Selbst negative Schlagzeilen, beispielsweise über Studien, Streiks oder verschmutzte Strände können die Deutschen nicht abschrecken.

Zum Golde drängt doch alles

Der frühere amerikanische Finanzminister Henry H. Fowler sprach von einem „gewaltigen Schritt zurück“, Währungsexperte Professor Machlup von der Princeton-Universität von „Verrat an den Reformprinzipien“.

Mit gezinkten Karten

Wenn es nach dem Willen der Koalition ginge, müßten wir schon vom 1. Januar 1977 an höhere Steuern zahlen. Der Bundestag hat inzwischen beschlossen, die Mehrwertsteuer (von elf auf dreizehn, bei Nahrungsmitteln von 5,5 auf 6,5 Prozent) sowie die Branntwein- und Tabaksteuer zu erhöhen.

Noch zehn Jahre Galgenfrist?

Es geht um Blei, das auf lateinisch plumbum heißt und dem die Chemiker deshalb das Zeichen Pb gegeben haben. Gut elfmal so schwer wie Wasser, werden tagaus, tagein Tausende von Tonnen dieses Metalls in den Druckhäusern bewegt.

Freude über Ford

Im 13. Stock des Berlaymont-Hochhauses in Brüssel, der Chefetage der Kommission der Europäischen Gemeinschaft (EG), gab es reichlich Lob für Gerald Ford.

BONNER KULISSE

Eine Meinungskampagne, die sicherlich nicht ganz unbedenklich ist, dürfte den letzten Anstoß dazu geben, daß Bundesverkehrsminister Kurt Gscheidle sein Amt mit dem Ende der Legislaturperiode verlieren wird.

Aus Unternehmungen

Die O & K Orenstein & Koppel AG, Berlin/Dortmund, wird für 1975 wieder eine Dividende von zehn Prozent, dazu aber einen Jubiläumsbonus von zwei Prozent ausschütten.

Aktien marschieren seitwärts

Der durch die Mindestreservenerhöhung hervorgerufene Schock scheint überwunden. Zwar hat sich der Prozeß der Zinsneuorientierung in den letzten Tagen noch fortgesetzt.

Manager und Märkte

Auf dem deutschen TV-Markt zeichnet sich der bisher größte Machtkampf ab: Die Hamburger Firma „Alpha“, die jüngste Gründung des Zeitschriften-Konzerns Gruner + Jahr, ist angetreten, dem Münchner Filmkaufmann Leo Kirch und seinen Unternehmen „Beta“ und „Taurus“ ihre Position als wichtigste Anbieter ausländischer Spiel- und Fernsehfilme streitig zu machen.

Der Markt regiert

Geiger: Ich bin froh, wenn ich mit meiner Feststellung, daß sich die Freigabe der Zinsen voll bewährt hat, offene Türen einrenne.

Die Kampflust wächst

Die Olympischen Spiele sind noch nicht eröffnet, doch in der internationalen Streikstatistik haben sie schon eine Rekordmarke gesetzt: Mit 2600 Arbeitstagen je 1000 Arbeitnehmer sicherten sich,die Kanadier im Jahr 1974 die Goldmedaille im Arbeitskampf.

Fichtel & Sachs – Testfall für das Kartellamt

Nach dem Einspruch des Bundeskartellamts gegen die Übernahme von knapp 75 Prozent der Fichtel & Sachs AG durch den englischen Konzern Guest, Keen and Nettlefolds (GKN) verhandelten beide Vertragspartner die neue Lage in London.

Die Pleite mit den fünf Ringen

Acht Wochen bevor die Eröffnungsfanfare zu den 21. Olympischen Spielen ertönt, steht für sie fest: eine Pleite auf der ganzen Linie.

Fazit des Druckerstreiks: Die vier Fehler der IG Druck und Papier

Vier gravierende Fehler hat die zentrale Streikleitung der Industriegewerkschaft Druck und Papier in ihrem Arbeitskampf gemacht“, urteilte ein gewerkschaftlicher Tarifexperte, der seit 15 Jahren an exponierter Stelle in diesem Geschäft tätig ist und bei mancher Streikaktion den Finger in der Nähe des entscheidenden Knopfes hatte.

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