Von Theo Sommer

Das Nachlesen über den Streik im Druckereigewerbe fordert eine Nachlese heraus: zur Haltung der Politiker, zum Verhalten des Fernsehens, schließlich zum Auftreten der Presse selber, konkret der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Die unbesonnene Äußerung des Bundeskanzlers, mittlerweile im regierungsamtlichen "Bulletin" nachzulesen, kann auch nachträglich nur Kopfschütteln auslösen: "Es ist nicht so schlimm, wenn man mal ein paar Tage auf die Bild-Zeitung verzichten muß." Es war schlimm genug, denn die Pressefreiheit ist nun einmal unteilbar. Spätere Appelle und Bekundungen der Bundesregierung haben den schlechten Geschmack nicht beseitigen können, den die erste Kanzler-Äußerung hinterlassen hatte. Und der Nachklapp aus Schleswig-Holstein hat ihn in aller Bitterkeit noch einmal aufstoßen lassen: Der dortige SPD-Vorsitzende forderte, die Presse nach Art der Rundfunkanstalten in die öffentlich-rechtliche Form zu überführen.

Nun kann der Zustand der SPD-Presse einen jeden nur mit Trauer erfüllen. Immerhin ließe sich argumentieren, daß es allein die Sache der Sozialdemokraten sei, wenn sie ihre eigenen Blätter planmäßig zugrunde richten. Aber daß sie jetzt die eigene Unfähigkeit bemänteln wollen, indem sie allen anderen ein öffentlich-rechtliches Staatsbegräbnis bereiten – das geht zu weit. Wen wundert es da, daß die SPD sich über eine "schlechte Presse" beklagen muß.

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Dann das Fernsehen. Es hat die Chance verpaßt, die zeitungslose Zeit mit verstärkter Informationsleistung auszufüllen, Kommentatoren der Presse als Gäste in besondere Meinungssendungen zu bitten, den Ausfall des Gedruckten durch ein Mehrangebot an Gesendetem wettzumachen. Pläne gab es, in Stuttgart zum Beispiel für eine Art Frühstückszeitung auf dem Bildschirm. Es wurde nichts daraus.

Warum? Weil die Hochmögenden in den elektronischen Medien kein Defizit an Information und Meinung sahen (in Köln "höchstens, wenn der Streik länger gedauert hätte"), weil sie mit redaktioneller Unruhe rechneten (in Stuttgart), mit internen Schwierigkeiten (bei der Tagesschau), mit einem eventuellen Boykott durch die dpa-Redakteure (in Baden-Baden), weil das Fernsehen nicht in die Rolle des "übermütigen Lückenfüllers" schlüpfen dürfe (ZDF). Daß sie organisiertem Druck, dem Druck der Organisierten gewichen seien, bestreiten sie mit Verve.