Die sozialen Probleme der technischen Umstellung sind noch nicht bewältigt

Von Heinz Michaels

Es geht um Blei, das auf lateinisch plumbum heißt und dem die Chemiker deshalb das Zeichen Pb gegeben haben. Gut elfmal so schwer wie Wasser, werden tagaus, tagein Tausende von Tonnen dieses Metalls in den Druckhäusern bewegt. 64 Tonnen Blei befinden sich in der Druckerei einer großen Tageszeitung in einem ständigen Kreislauf: Für das Gießen der Lettern und Druckplatten, die nach Gebrauch wieder eingeschmolzen werden.

Doch spätestens in zehn Jahren, so prophezeit der Leiter dieser Druckerei, „wird das Blei aus den meisten Betrieben verschwunden sein“. Verschwinden werden damit allerdings auch die Arbeitsplätze der Männer, die heute mit dem Blei hantieren, dafür eine dreijährige Lehre als Setzer absolviert haben und vor dem Druckerstreik zwischen 11 und 15 Mark in der Stunde verdienten. Für etwa 80 000 Facharbeiter ist die Zukunft unsicher geworden.

Einen Vorgeschmack, daß Zeitungs- und Zeitschriftenverlage auch ohne sie auskommen können, erhielten die Setzer während des Streiks. Als die Setzmaschinen stillstanden, trommelte die Verlagsleitung des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ eine Handvoll Sekretärinnen zusammen und ließ die Texte mit einem schreibmaschinenähnlichem Gerät, einem sogenannten Komposer, schreiben. Graphiker klebten die Papierstreifen zu Seiten zusammen und photographierten diese für die Herstellung der Druckzylinder.

Springers „Welt“ irrte jedoch, als sie schrieb, dies sei „die Satztechnik von morgen“. Es ist bestenfalls der Vorbote für die beginnende Revolution im graphischen Gewerbe.

Gutenberg, so meint die britische Zeitschrift „Nature“ sarkastisch, könne heute nach vierzehn Tagen Auffrischungskurs in jeder Setzerei arbeiten. So mittelalterlich sei noch heute – fünfhundert Jahre nachdem Johannes Gutenberg den Druck mit beweglichen Metallettern erfand – die Arbeitsweise in den Druckereien.