Kürzlich hatte ich das Glück, den Weltmeister des Boule-Spieles zu sehen. In der Hand eine glitzernde Kugel, die er zuvor mit einem weichen, flauschigen Tuch abgestaubt hatte, nahm er einen energischen Anlauf und blieb plötzlich stehen. Was jetzt passierte, wiederholte er zehnmal hintereinander mit gleichem Erfolg: Er traf mit voller Kraft eine andere Kugel, die vierzehn oder sechzehn oder achtzehn Meter entfernt lag.

„Es ist nicht einzusehen“, sagte ein Zuschauer, „daß das Boule-Spiel kein olympischer Sport ist!“

Einige Monate vorher hatte ich den Europa-Meister im Billard-Spiel gesehen. Ich hatte den Eindruck, daß die Filmkamera, die diese Bilder vermittelte, den Atem anhielt. Man stelle sich einen Mann mit Brille und gefurchter Stirn vor, der allerlei Verrenkungen um den Billard-Tisch vornahm. Andere legten drei Kugeln absichtlich so auf das Tuch, daß sie den reinen Widerspruch symbolisierten: Nie und nimmer würden sie zusammenkommen können. Unser Meister betrachtete sie lange von der einen und von der anderen Seite. Er verrenkte sich dabei sehr. Doch schien das Nachdenken wichtiger zu sein als das Schlangenspiel seiner Wirbelsäule. Endlich ein Stoß. Schon sagten die widerspenstigen Kugeln einander „Guten Tag“, wobei die Begrüßung auf Umwegen stattfand (Bande).

„Ob man je in Betracht gezogen hat,“ so meinte einer der Zuschauer, „Billard in die Olympischen Spiele einzuführen?“

Man erkennt aus solchen Bemerkungen, daß der Augenblick näherrückt, wo die olympischen Fanfaren in Montreal ertönen. Sonst würde man wohl nicht darüber nachdenken, warum Kugelstoßen olympisch ist, Kugelwerfen aber nicht. Oder um etwas mit einem Stab oder Stock zu nennen: Hochsprung ja, Billard nein.

Die Welt ist voller Vorurteile, und selten sind die mutigen Menschen, die etwas ändern könnten und bereit wären, für ihre Überzeugung einzustehen. „Nicht einmal ein Franz Josef Strauß“, so bemerkte ein Gast in unserem philosophisch-sportlichen Kreise, „wäre in der Lage, das Fingerhakeln zu den olympischen Weihen zu erheben.“ Während nun die einen sich anschickten, das Hakeln gegen das Ringen zu verteidigen, die anderen aber umgekehrt, erzählte ein adeliger Tennis-Spieler ein Erlebnis aus seiner Jugerd.

„Mein jüngerer Bruder“, so sagte er, „hat sich, als er in der Blüte seiner Pubertät stand, weder für Genealogie noch für Jagd interessiert; um die Wahrheit zu sagen, vorher nicht, nachher nicht Er durchschritt den Saal mit den Ahnen und würdigte sie keines Blickes. Er verachtete die Geweihe, die all unseren Wänden etwas Stachliges gaben, und guckte gar nicht hin. In seinem Zimmer befand sich jedoch als Wandschmuck an prominenter Stelle ein alter Sack.“