Leute, die von sich behaupten, paranormal begabt zu sein, sehen in Amerika schwierigen Zeiten entgegen. Denn dort haben sich fünfundzwanzig Experten zu einer Untersuchungskommission zusammengefunden, deren Aufgabe es sein wird, Hellsehern, Wunderheilern, Wiedergeborenen, Psychochirurgen, Wünschelrutengängern, Exorzisten und anderen „Medien“ auf den übernatürlichen Zahn zu fühlen.

Der Soziologe Marcello Truzzi, der diesem „Komitee für die wissenschaftliche Prüfung von Behauptungen über paranormale und andere Phänomene“ vorsitzt, erklärt die Gründung dieser Vereinigung für längst überfällig, „weil den Parapsychologen sowohl die finanziellen Mittel als auch häufig der spezielle technische Sachverstand fehlen, um raffinierte Betrüger zu entlarven“. Hinzu käme die nur allzu verständliche – und auch Wissenschaftlern anderer Forschungsgebiete keineswegs unbekannte – Bereitschaft zum leichtfertigen Glauben an einen Forschungserfolg, der sich in Wahrheit nicht eingestellt hat.

Tatsache sei, so die einhellige Meinung der Mitglieder dieser Kommission, daß die Existenz paranormaler Phänomene noch in keinem einzigen Fall wissenschaftlich befriedigend nachgewiesen sei. Darum sei die Frage, ob es überhaupt solchen Spuk gäbe, völlig offen. Dies jedoch würde in der Öffentlichkeit nicht verstanden. Hier stritten Befürworter und Gegner parapsychologischer Thesen miteinander, was ebenso unsinnig sei wie etwa ein Streit darüber, ob es auf einem Planeten des Sirius Leben gäbe oder nicht.

Truzzi ist es gelungen, für sein Team, das übrigens nur solche „Medien“ mit kriminalistischer Akribie prüfen will, die von einem parapsychologischen Institut für „echt“ gehalten werden, weltbekannte Wissenschaftler zu gewinnen wie zum Beispiel den Philosophen Paul Kurtz, den Lerntheoretiker B. F. Skinner, den Astrophysiker (und Forscher nach extraterrestrischer Intelligenz) Carl Sagan, den (Biochemiker und) Science-fiction-Autor Isaac Asimov und den Astronom Bart Bok.

Dem Komitee gehören auch Zauberkünstler an. Diesen Hokus-Pokus-Fachleuten kommt besondere Bedeutung zu, weil sich kaum eine andere Gruppe so leicht von Gauklern hinters Licht führen läßt wie Wissenschaftler, die daran gewöhnt sind, Ungewöhnliches und Überraschendes zu erfahren und ihren Fachkollegen, die ihnen solches berichten, aufs Wort zu glauben.

Zweimal im Jahr soll eine von der Kommission herausgegebene Zeitschrift, „Zetetic“, über die Untersuchungsergebnisse des Komitees und ihres über das ganze Land ausgebreiteten Netzes von Mitarbeitern berichten. Der Titel der Zeitschrift bezieht sich auf die Zetetiker, die Schüler des griechischen Philosophen Pyrrhon, der zur Zeit Alexander des Großen die Skepsis lehrte.

Mehr Skepsis gegenüber den oft als Wahrheiten mißverstandenen Spekulationen von Parapsychologen wäre auch hierzulande vonnöten. Darum sei hier noch einmal das Plädoyer für die Gründung einer ad-hoc-Untersuchungsgruppe wiederholt, das vielleicht angesichts des nunmehr vorliegenden amerikanischen Vorbilds nicht mehr so utopisch klingt wie vor drei Jahren, als es an dieser Stelle schon einmal vorgetragen wurde. Es ist nicht einzusehen, warum zum Beispiel die Frage nach der Existenz von Schwarzen Löchern im Weltraum, für deren Beantwortung wir unsere Steuergroschen hergeben, von größerer Priorität ’sein soll als die Frage nach der Existenz paranormaler Phänomene.