Jimmy Carters außenpolitisches Debüt mit programmatischem Anspruch – vergangene Woche in New York – macht stutzig. Denn der demokratische Präsidentschaftsbewerber wird ja wohl sorgfältig kalkuliert haben, mit welchem zentralen Thema er am wirkungsvollsten den noch ausstehenden Ruf eines Politikers mit Kompetenz und Urteilskraft in der auswärtigen Politik erringen kann.

Der gelernte Kernenergie-Ingenieur mag die internationalen nuklearen Probleme vorangestellt haben, weil ihm hier der Sachverstand am ehesten abgenommen wird (und weil ihm sein Berater, der Columbia-Professor Dick Gardener, den ersten vorzeigbaren Redetext geliefert hat). Aber uns muß es zu denken geben, wie unumwunden Carter sich dem in Washington rundherum verbreiteten Unwillen über den Export kompletter deutscher und französischer Kernkraftanlagen in die Dritte Welt anschloß.

Amerika grollt seit langem, vor allem über den deutschen Liefervertrag mit Brasilien. Und jetzt wissen wir, daß nicht nur das amtliche Washington, sondern auch der wahrscheinlich nächste Präsident in diesem Vertrag einen provozierenden Modellfall für eine gefährliche Weiterverbreitung von nuklearem Know-how sieht, mit dessen Hilfe Brasilien – theoretisch – in Kürze zur Kernwaffenmacht aufsteigen könnte. Schon früher haben amerikanische Senatoren gefordert, Bonn durch den Entzug von Uranlieferungen zu einer Revison seiner Exportpolitik zu zwingen. Und jetzt plädiert ein Senatsausschuß für einen Stopp der Hilfe an alle Staaten, die sich an Geschäften à la Brasilien beteiligen.

Die Bundesregierung ist der Auseinandersetzung bisher ausgewichen. Aber wie lange will sie sich noch an einem prinzipiellen Konflikt mit Washington vorbeimogeln, in dem sie mit guten Argumenten eine eigene lebenswichtige Position verteidigen könnte? Be.