Verklärt? Was ist sie denn? Eine Hausangestellte, die sich absolut konformistisch verhält, eine Person, die mir eigentlich unsympathisch sein müßte. Sie ist vollkommen angepaßt, bis zur schicken Eigentumswohnung. Unverklärter, durchschnittlicher wie sie kann sich keine verhalten.

Heinrich Böll über „Katharina Blum“ in einem Interview mit der Münchner „Abendzeitung“. Margarethe von Trottas Bühnenfassung des Romans wurde jetzt am Bonner Theater uraufgeführt.

Deutscher PEN vor der Spaltung?

Ein letztes Opfer des Drucker-Streiks scheint das PEN-Zentrum Bundesrepublik Deutschland zu werden. Nachdem ein starke „rechte“ Opposition gegen den radikal liberalen Walter Jens dessen Wahl nicht verhindern konnte, sucht sie gleich die erste Gelegenheit zu seinem Sturz. Zum erstenmal in der Geschichte des PEN gibt es eine Art schriftlicher Urabstimmung. In kürzester Frist sollen die Mitglieder darüber entscheiden, ob innerhalb „drei oder vier Tagen“ oder erst – wie das neue Präsidium möchte – auf der regulären Vorstandssitzung Mitte Juni gegen das Vorgehen von Setzern und Metteuren protestiert werden solle, die das Erscheinen redaktioneller Kommentare zum Streik der IG Druck und Papier in der „Frankfurter Neuen Presse“ und bei der „Bild“-Zeitung in Hannover verhindert haben. Die Eile der „rechten“ Protestler, die sich bisher über allzu viele PEN-Resolutionen eher mokiert haben und zu deren Sprecher sich der Ehrenpräsident Dolf Sternberger gemacht hat, ist verdächtig: Natürlich verurteilen auch alle „linken“ Präsidiumsmitglieder den Eingriff der Setzer als Zensur. Nur sind sie, wie Jens erklärt, der Meinung, dieses Vorgehen – zumal während des Streiks – könne nicht isoliert betrachtet werden, sondern müsse gesehen werden als Teil des großen Problems „Rechtsstaatlichkeit, Zensur, Verlegerfreiheit, Meinungsfreiheit“. Sternberger droht, ihm seien „Austrittsabsichten mehrfach zu Ohren gekommen“, und die „Gefahr einer Spaltung oder des Zerfalls unseres Zentrums“ sei „niemals näher gewesen“. Wenn drohende Spaltung abgewendet werden sollte – müßte da nicht der Termin des Protestes, um ein paar Tage früher oder später, nebensächlich sein? Die Eile der Antragsteller legt den Schluß nahe, hier solle weniger gegen Zensur protestiert als ein unliebsames Präsidium als „links“ und „sozialistisch“ diffamiert werden.

„Nordsee ist Mordsee“, ab 12

Verrisse haben selten Wirkung – auch dann nicht, wenn sie recht haben. Die Ausnahme und die Regel: Die schon oft und oft heftig geschmähte „Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft“ (FSK) nahm jetzt überraschend, und ganz offensichtlich von Presseattacken beeindruckt, eine ihrer Fehlentscheidungen zurück: Hark Böhms Film ’„Nordsee ist Mordsee“ (die Geschichte von zwei Hamburger Halbwüchsigen, die von zu Hause ausreißen, um – hoffnungslose Utopie – mit einem Segelschiff in bessere Welten aufzubrechen) wurde jetzt vom Rechtsausschuß der FSK für Menschen ab 12 freigegeben. Revidiert wurde damit die Entscheidung des FSK-Hauptausschusses, der den Film „grausamer“ Szenen wegen erst für Sechzehnjährige freigeben wollte.

Satire mit Sonderstempel