Kein Schutz für Goethe?

Als im Oktober 1975 eine Bombe im Pariser Goethe-Institut gefunden wurde, war die Aufregung groß. Doch Lehren wurden aus diesem Anschlag keine gezogen. Trotz großen Anstrengungen ist es Michael Marschall von Bieberstein, dem Direktor des Instituts, nicht gelungen, die Trägheit der Bonner Bürokraten zu überwinden. Vergeblich wartet er bisher auf die unentbehrliche Alarmanlage oder andere Sicherheitsvorrichtungen. Immerhin wurde jüngst das Goethe-Institut in Toulouse von Attentätern in Brand gesteckt. Die Lehrer des Pariser Instituts machen sich deshalb Sorgen um die Sicherheit ihrer Sprachschüler. Zudem versammelt sich im Laufe dieses Monats viel Publikum und viel Prominenz im Pariser Institut, um neun Diskussionen im Rahmen eines deutsch-französischen Dialogs beizuwohnen. Was würde Bonn als Entschuldigung finden, wenn Ministerpräsident Filbinger, Professor Carlo Schmid, Pierre Boulez oder Alfred Grosser Schaden nähmen?

Sparsamer Reagan

Ronald Reagan, im amerikanischen Vorwahlkampf größter republikanischer Konkurrent von Präsident Ford, hat Kummer mit seinen Finanzen: Die Zeitungen haben herausgefunden, daß er in den vergangenen sechs Jahren zuwenig Steuern gezahlt hat. 1970 berappte er keinen Cent Bundeseinkommensteuer, obwohl er 73 000 Dollar verdiente; 1971 kam er bei einem Jahreseinkommen von mehr als 87 000 Dollar auf 2200 Dollar – eine Summe, die ein durchschnittliches Ehepaar schon bei 16 000 Dollar Jahreseinkommen an den Fiskus abführen muß. Allerdings gibt es keinen Hinweis auf illegale Transaktionen Reagans – nur auf geschickte Ausnutzung steuerlicher Erleichterungen.

Halbwahrheiten

Die SED propagiert fast täglich die Notwendigkeit des ideologischen Kampfes, verdammt aber die ideologische Diversion, also Hetze, Lügen und Halbwahrheiten. Paradebeispiel für eine Halbwahrheit: Vor einer Woche berichtete die SED-Zeitung Neues Deutschland unter der Überschrift „Grobe Schikanen in der BRD gegen DDR-Journalisten“, eine Korrespondentin des DDR-Rundfunks sei in der Ausübung ihrer journalistischen Tätigkeit behindert und von Polizeibeamten einer Untersuchung unterworfen worden, als sie in Kassel über einen Prozeß gegen ein „Berufsverbot“ berichten wollte. In Wahrheit mußte die Journalistin, wie jeder Prozeßbesucher, ihren Ausweis zeigen und ihre Handtasche öffnen; die Kontrolle wurde von zivilen Gerichtsangestellten ausgeübt. Im DDR-Rundfunk präzisierte die Journalistin ihre Story: Der Beamte habe eine Spraydose aus ihrer Tasche genommen und betastet. Inwiefern dies eine Behinderung journalistischer Tätigkeit und eine Kriminalisierung ihrer Persönlichkeit sei, hat die Kollegin aus der DDR nicht weiter erläutert.

Konkurrenz für die Bayern