DIE ZEIT

Der Staat als Oberhirte?

Die Kritik der katholischen Bischöfe und des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken an der sozial-liberalen Koalition hat durch ihre schroffe Entschiedenheit einen alten Konflikt mit Sozialdemokraten wie Freien Demokraten aufs neue hell aufflammen lassen: die Kontroverse über die Rolle der christlichen Grundwerte und der Kirchen in unserem Staate.

Abfuhr für Giscard

Kaum hatte Giscard d’Estaing auf seine Entscheidungsfreiheit in Fragen gemeinsamen Interesses gepocht, da wollte er sie auch gleich kraftvoll demonstrieren: Als Friedensstifter im Libanon bot er ein französisches Interventionskorps an, das für diesen Einsatz schon seit einiger Zeit gerüstet und gedrillt sei.

Moskauer Filigran

Eine sowjetische Regierungserklärung zur Lage eines fremden Staates – das ist noch keinem anderen westlichen Land widerfahren.

Kriegsverbrecher?

Die vier in Düsseldorf angeklagten Desperados, die vor einem Jahr die deutsche Botschaft in Stockholm stürmten und zwei Geiseln töteten, haben ihre Tat gestanden.

Sisyphus im Wahlkampf

Wer wird den Dauertest der amerikanischen Vorwahlen siegreich bestehen? Nach dem Auf und Ab der letzten Monate wagen die Auguren keine Vorhersagen mehr.

Plattform der Unverbindlichkeiten

Schon gleich am Anfang der christlich-demokratischen Heerschau in Hannover war klar, daß man sich mit programmatischen Einzelheiten der Schlachtordnung gegenüber den Sozial-Liberalen nicht abgeben wollte.

Zeitspiegel

Ein Windei ist es, das von den Parteien des Bundestages gelegt wurde, als sie verbreiten ließen, sie würden in diesem Jahr ihre Diäten nicht erhöhen und auf die Anpassung ihrer Bezüge verzichten.

Ende der Ära Kissinger?

Amerikas Außenminister will sein Amt abgeben, vielleicht – · Spekulationen und Eindrücke bei der Nato-Konferenz

Alles wird schöner, nichts wird anders

Die Innenstadt von Ost-Berlin ist wieder befahrbar, die Taxifahrer müssen nicht mehr über die weiten Umwege schimpfen, und der Palast der Republik, in dem der IX.

Hua Kuo-feng: Ein Linker aus Maos Zirkel

Wer ist der Mann, der seit dem Sturz Teng Hsiao-pings als neuer Ministerpräsident die Staatsgeschäfte der Volksrepublik führt? Nach der gängigen, aber keineswegs zuverlässigen Spekulation im Westen soll Hua Kuo-feng ein „Mann der Mitte“ sein, ein farbloser Kompromißkandidat, auf den sich die verfeindeten Fraktionen im Zentralkomitee gerade noch einigen konnten.

Der Fall Berger: klein, aber oho

Wäre Erregung ein Gradmesser für die Schwere eines Spionagefalles – der Fall der fröhlich-prallen Agentin Helge Berger könnte sofort zu den Akten gelegt werden.

Wolf gang Ebert: Bonner Dienstverhältnisse

Bisher hätten es die meisten Ehefrauen unserer höheren Regierungsbeamten nicht einmal im Traum für möglich gehalten, daß ihr Gatte mit seiner Sekretärin etwas anderes haben könnte als ein ganz normales Dienst-Verhältnis.

Hält der König durch?

Die Niederlage der spanischen Rechtsextremisten kam überraschend und fiel – bei aller Konzilianz im Ton – unerwartet scharf aus: Die Regierung, so klingt es in der amtlichen Verlautbarung, sehe sich leider nicht in der Lage, die zu Ehren Francos geplante Demonstration in Madrid zu billigen.

Freiheit als Schlager

In den für den Wahlkampf gerüsteten Schaufenstern der Parteien wird „Freiheit“ als der große Verkaufsschlager herausgestellt.

DOKUMENTE ZUR ZEIT: Moskau lobt Zusammenarbeit mit Bonn

Die Sowjetunion ist gewillt, geduldig- und konsequent immer neue Wege zur Entwicklung friedlicher und beiderseitig vorteilhafter Zusammenarbeit von Staaten unterschiedlicher Gesellschaftsordnung zu suchen und strittige Fragen am Verhandlungstisch zu regeln.

Verwirrung im römischen Wahlkampf

Der diesmal grotesk übersteigerte Brauch, „unabhängige Prominenz“ auf die Parteilisten zu setzen, hat die Verwischung der Fronten und damit die ohnehin nicht geringe Verlegenheit der Wähler noch gesteigert.

Weiter Streit über Radikale

Die Kontroverse zwischen Regierung und Opposition über die Beschäftigung Radikaler im öffentlichen Dienst wird den Wahltag im Herbst überdauern.

Die kommende Revolution: blutig oder friedlich?

Wenn man gegen Abend von Pretoria her nach Johannesburg hinein fährt, wenn die ersten Lichter in den Hochhäusern der Stadt angehen, dann könnte man meinen, New York vor sich zu sehen: eine gigantische Großstadt – bald wird sie zwei Millionen Einwohner haben.

Angola hätte nicht passieren müssen

Kissingers Warnung, daß ein zweites Angola nicht passieren dürfe, war keineswegs Ausdruckeines neuen strategischen Konzeptes für die Allianz.

Murrende Militärs

War es Zufall oder Absicht? Während in der französischen Nationalversammlung die Abgeordneten über Grundsatzfragen der Verteidigungspolitik debattierten, versicherte Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing seinem Kollegen Gerald Ford in Washington, Frankreich stehe treu zur westlichen Allianz – freilich: „Frankreich organisiert und befehligt seine Verteidigung selbst.

Anlehnung an Amerika

Wie beim Schah von Persien sei es gewesen, schwelgten die Chronisten. Das Staatsbankett, das der französische Präsident Giscard d’Estaing in der vergangenen Woche zu Ehren des amerikanischen Präsidenten gab, war ein Ereignis der Superlative.

Ankläger vor dem Richter

Ein Ankläger wurde zum Angeklagten. Vor dem Kieler Landgericht, muß sich in diesen Tagen der 41jährige Lübecker Staatsanwalt Egbert Godow verantworten.

Der Klüngel war stärker

Die „Kleinen“ hat der Landtag diesmal laufen lassen und die Großen geschröpft. Köln muß endgültig auf das eingemeindete Wesseling und damit auf den Ruhm verzichten, eine Millionenstadt zu sein.

Unfrommer Streit

Im Passionsspielort Oberammergau wachsen derzeit nicht nur die Bärte der Darsteller, sondern auch die ortsinternen Fehden über die passendste Form der Aufführung im Jahr 1980.

Denkmalspfleger für Universitäten?

Niedersachsens Studenten und Dozenten klingen die Ohren. In Interviews und bei der Etatdebatte im Landtag gehörten sie und die Hochschulen zu den Hauptthemen.

Die Historie Europas ist die des Abend- und Morgenlandes: Hier entstanden die Strukturen und Faktoren der Weltgeschichte: Geschichte als Drama

Dieses vorzügliche Buch ist der erste Band einer auf sechs Bände angelegten Geschichte Europas. Ihr Fluß ist von den Verfassern nicht so sehr nach Dynastien und ihren Auseinandersetzungen geordnet worden, als vielmehr nach den politischen Strukturen, die der Wandel der jeweiligen theologischen, philosophischen, moralischen, ökonomischen, politischen Vorstellungen der Handelnden und der Leidenden, vor allem aber des Verhältnisses der Oberen und der Unteren zur Macht- und zum Problem der Rechtmäßigkeit ihrer Ausübung und Zuordnung jeweils hervorgebracht hat.

Terminnot für Stars

Legt man die letzte der für jeden Monat von der Vereinigung der Tennis-Professionals (ATP) neu herausgegebenen, durch Computer nach den aktuellen Turnierergebnissen errechneten Ranglisten der besten Tennisspieler der Welt zugrunde, dann waren die 70.

Statt Olympiasieg lieber Weltrekord

Mit 16 Jahren wurde der Hildesheimer Gymnasiast Walter Kusch als die größte Hoffnung des europäischen Schwimmsports gefeiert.

Quarz-Uhren

Unter allen Spielarten von elektrisch-elektronischen Uhren hat sich die Quarzuhr durchgesetzt. Ihr Herz ist nicht mehr die alte Unruh, sondern ein Quarzstäbchen oder -scheibchen, das unter Strom mit sehr konstanter Frequenz schwingt.

Nicht immer nur nein sagen

Das Vernünftige ist nicht immer auch populär. Das hat die Bundesregierung bei der Abwehr überzogener Forderungen der Entwicklungsländer auf der Welthandelskonferenz in Nairobi erfahren.

Wem die Stunde schlägt

Jetzt kommt sie, ausgerechnet auf einem ökonomischen Kriegsschauplatz, auf dem sie sich stets als Herr der Weltlage gefühlt hat, in die Verlegenheit, zu beweisen, was ihr Rüstzeug taugt: Im Kampf mit neuen amerikanischen Konkurrenten ist die traditionsreiche schweizerische Uhrenindustrie ins Hintertreffen geraten, zumindest publizistisch.

Kleingedruckt

Die Bonner Parteien sind sich einig: Noch in dieser Legislaturperiode wird das Recht für „Allgemeine Geschäftsbedingungen“ (AGB) reformiert.

Nur eine Atempause

Der Erfolg in der Lohnpolitik schläfert die Reformfreude der Briten wieder ein

BONNER KULISSE

Die Reform der Körperschaftsteuer, an deren Gelingen Kreise der interessierten Wirtschaft bis in die letzten Wochen gezweifelt hatten, ist nun endgültig gesichert.

Drei Bälle

Ist Leonhard Mahlein an allem Schuld? Nun, es ist müßig, die Frage zu stellen, ob sich die Chemiearbeiter mit weniger zufrieden gegeben hätten, wenn die Drucker nicht einen Streik vom Zaun gebrochen hätten.

Teuer wie nie zuvor

Dieses Thema ist für uns überhaupt noch nicht aktuell“, heißt es bei Eduscho in Bremen, während Konkurent Jacobs lediglich „die Entscheidung über den Zeitpunkt“ noch nicht getroffen hat.

Schieflage in Stuttgart

Eine leise Ahnung muß Erwin Ruff, damals Chef der Württembergischen Kreditverein AG, bereits im vergangenen Jahr beschlichen haben: Statt auf den fetten Gewinn von 7,6 Millionen Mark zu verweisen, beschwor er auf der damaligen Hauptversammlung die „konjunkturbedingte Zahlungsschwäche vieler Schuldner“.

In die Arme des Feindes

In München und seiner unmittelbaren Umgebung sind zwei jener Unternehmen ansässig, die sich die öffentlich-rechtlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten der Bundesrepublik als privatwirtschaftliche Tochterfirmen angegliedert haben.

Kein Jubel über die Reform

Wer davon ausging, daß die nunmehr ziemlich sicher am 1. Januar 1977 in Kraft tretende Körperschaftsteuerreform in den Börsensälen Jubelstürme auslösen würde, sah sich enttäuscht.

Lohn der Angst: hohe Zinsen

Treuherzig versichert der Bundesverband deutscher Banken: „Es besteht kein Anlaß zu glauben, daß nunmehr die ‚Zinswende‘ vor der Tür stünde!“ Der größte Teil seiner Mitglieder denkt im stillen Kämmerlein anders.

Aus Unternehmungen

Für 1976 hat die Beiersdorf AG, Hamburg, ihre Umsatzerwartungen heraufgesetzt. Es wird jetzt mit einer Ausweitung um 16 Prozent gerechnet.

Die Macht der Produzenten

Solange die Zentren des Rohstoffverbrauchs in den Industrieländern liegen, können auch relativ kleine Erzeugerländer in der Versorgung eine große Rolle spielen und für Unannehmlichkeiten sorgen.

Geld gut angelegt

Wannenwetsch: Tatsächlich ist bei den Anträgen auf Heilbehandlungen gerade im April und Mai ein besonders tiefer Einbruch zu verzeichnen.

Manager und Märkte

Das BMW-Management kann es nur verdrießen. Schließlich hätte ein marktgerechter Preis für die jungen Aktien und nicht einer, der auf die Geldknappheit von Quandt zugeschnitten ist, dem Unternehmen besser geholfen, seine Expansion zu finanzieren.

Steuer-Schnüffler haben die Nase voll

Frankreichs Steuerfahnder wissen nicht mehr, was sie von sich halten sollen. Jahrelang hieß es, den Steuerbetrügern im Lande müsse endlich der Garaus gemacht werden.

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