Die vier in Düsseldorf angeklagten Desperados, die vor einem Jahr die deutsche Botschaft in Stockholm stürmten und zwei Geiseln töteten, haben ihre Tat gestanden. Aber sie wollen sie nicht als Mord gewertet wissen, sondern als legitimen kriegerischen Akt im Kampf der „Soldaten des Proletariats“ gegen den internationalen Monopolkapitalismus. Die These ist schon in der selbstverliehenen Bezeichnung der Baader-Meinhof-Gruppe als „Rote Armee Fraktion“ enthalten. Im Stockholm-Prozeß bestimmt sie freilich erstmals die gemeinsame Strategie von Verteidigern und Verteidigten.

Würde sie ernst genommen, müßten die Kombattanten des „Kommandos Holger Meins“ selbst ihre Verurteilung als gemeine Kriegsverbrecher fordern. Denn sie haben die internationale Konvention über den Schutz von Kriegsgefangenen gebrochen. Sie haben nach ihren eigenen Worten den Militärattache von Mirbach erschossen, um einen „Brückenkopf“ der schwedischen Polizei im Botschaftsgebäude aufzubrechen; sie haben den Wirtschaftsrat Hillegaart getötet, um die Regierung des Feindstaates Bundesrepublik zur Freigabe von RAF-Gefangenen zu nötigen.

Hätten sie außer Marx, Mao und Marighella die Akten der Nürnberger Prozesse gelesen, wäre ihnen vielleicht schon vorher aufgegangen, daß dem Faschismus das Urheberrecht an ihren Rezepten zusteht. Hitler war am Ende, als er den Terror an die Front verlegte. Daß die Terroristen von heute sich am Anfang wähnen, macht sie den Faschisten von damals nicht unähnlicher.

H. Sch.