Auf den ersten Blick war es ein Ball paradox. Mit Glanz und Glitter, modischen Gags aus Paris, New York und Rom, mit Sekt und Hummer feierte die Prominenz von Portugals Algarve die Einweihung eines neuen (des ersten nach der Revolution fertiggestellten) Hotels, des 500-Betten-Hauses Dom Pedro.

Nachdem das neue Portugal gerade etliche Hotels via Versicherungen und Banken verstaatlicht hatte, gehört das Dom Pedro einem privaten, ausländischen Unternehmen, dem italienischen Hotel-Magnaten Saviotti, dem der Minister für Außenhandel und Tourismus, der (Partei-)Sozialist Jorge Campinos, auch gebührend für sein Vertrauen in die Stabilität Portugals dankte.

Darüber hinauswirkte die spektakuläre Hoteleröffnung aus einem anderen Grunde paradox. Speziell an der Algarve –, mit ihren riesigen Sand- und bizarren Kalkfelsen-Stränden, einst Ziel der mittleren Hunderttausend – stehen die Hotels halbleer. 1975 ging der Tourismus an der Algarve schon um 50 Prozent zurück, in diesem Jahr um durchschnittlich weitere 30 Prozent. Die empfindliche Mittelklasse fürchtet zwei Dinge, die es jedenfalls an der Algarve gar nicht gibt: Unruhen und Kommunismus; sie schmollt in anderen Gefilden, zum Beispiel in Griechenland, vielleicht auch auf Portugals Madeira, wo es sogar Zuwächse gibt.

Dem Minister Campinos erschien jedoch die jubelnde Hoteleinweihung keineswegs als paradox. Hier bekam seine neue Tourismuskonzeption Hand und Fuß. Campinos hat die Non-Tourismuspläne der fünften Regierung ("Tourismus ist Prostitution") überwunden und will einen vorsichtig kontrollierten Tourismus-Boom einleiten: "Aber keinen spanischen Massentourismus!" Auf die ZEIT-Frage: "Bei welcher Zahl fängt für Sie der Massentourismus an?" antwortete Campinos: "Wir haben jetzt 80 000 Gästebetten (soviel wie ganz Mallorca), bei 200 000 können Sie mich noch mal fragen."

Hoffnung machte dem Minister bei der Hoteleinweihung eine deutsche Gästegruppe, die seine Pläne unterstützen soll, und teilweise auch will. Die Reisegruppe bestand – in einer bisher noch nie dagewesenen Zusammensetzung – aus drei SPD-Bundestagsabgeordneten, den Vertretern der vier größten deutschen Reiseveranstalter TUI (Touristik Union International), NUR, ITS Kaufhof und Gut-Reisen, schließlich sechs Journalisten von wichtigen Zeitungen mit großem Reiseteil: Eine Drei-Fronten-Aktion zur Ankurbelung deutscher Touristenströme nach Portugal. Die Journalisten sollen berichten, wie schön, friedlich, ungefährlich, unkommunistisch Portugal ist (und daß die wenigen noch in den Hotels verbliebenen Angola-Flüchtlinge selbst da kein Problem für die Touristen sind, wo sie unter dem gleichen Dach wohnen); die Reiseveranstalter sollen ihre Portugal-Aktivitäten verstärken und die ohnehin den portugiesischen Sozialisten verbundene SPD soll das ganze regierungsamtlich antreiben.

Hierzu will Campinos ein "Tourismusabkommen" mit der Bundesregierung schließen. Außer finanzieller Hilfe sollte zunächst laut Vertragsentwurf die Bundesregierung Touristen regelrecht ins Land schicken. Nachdem die Bonner den Minister überzeugt hatten, daß solcher Verschickungstourismus wie etwa in der DDR hier nicht möglich sei, will der Bundestagsabgeordnete Horst Haase dem Portugal-Tourismus doch alle mögliche Unterstützung geben: "Abgesehen davon, daß wir dem Land aus spezieller Sympathie und auch aus politischen Gründen hellen, wollen, zählen vor allem wirtschaftliche Gründe: Unsere Touristen sollen denen Geld bringen, die es brauchen, um unsere Waren zu kaufen." Ganz einfach.

Derart abgesegnet startete jetzt das von der SPD mit besonderem Wohlwollen bedachte, gewerkschaftsverbundene Unternehmen Gut eine Initiative. Man ist bereit, in der Nachsaison, etwa im Oktober, ein Portugal-Sonderangebot auf den Markt, besonders aber in die Betriebe, speziell für Gewerkschaftsmitglieder, zu bringen.