Hervorragend The King’s Singers: „A Capella“. Bei so agiler internationaler Geschäftigkeit, die die Schallplattenbranche schon durch ihre Verflechtungen entfaltet, wundern einen so verspätete „Entdeckungen“ wie „King’s Singers“, eines im Ausland schon seit sechs Jahren bejubelten Gesangs-Sextetts, das aber selbst bei deutschen Rundfunkanstalten als den größten Musikverbrauchern unbekannt war – und nun wie eine Sensation empfunden wird. Diese sechs Engländer machen so viel Spaß, daß man der Gefahr erliegen möchte, sie sich gleich bis zum Überdruß immer wieder von vorne anzuhören. Sie singen a. capella mit einer atemberaubenden Präzision, ohne dafür auch nur einen Deut Witz einzubüßen. Ihr Arrangement erinnert bisweilen an die Swingle Singers und an die Singers Unlimited (deren jüngste Platte „Sentimental Journey“, MPS 20 22335-3, übrigens sehr hörenswert ist), ein bißchen auch an die Tradition der Comedian Harmonists, was ihren mit Schlips und Kragen vorgetragenen Humor betrifft. Die sechs singen mit Inbrunst Volkslieder und Parodien, zum Beispiel eine über den Beatles-Song „Ob-la-die, ob-la-da“; sie brillieren – mit Stimmgattungen zwischen Kellerbaß und Kontratenor – in einem hinreißend originellen Chorsatz. (AVES/Metronome MLP 15 950, 22,– DM)

Manfred Sack

Hörenswert

Andres Segovia: „Serenade“. Das ist, als erzähle ein Urgroßvater seinen Enkeln und Urenkeln musikalische Geschichten von spanischen Landsleuten wie Albeniz, Moleda, Sor und aus Johann Sebastian Bachs Notenbüchlein für Anna Magdalena: bedächtig, wie mit Aufmerksamkeit heischendem Augenaufschlag, nicht ohne Humor. Man hört dem Senior der Gitarristen aller Länder, der bei dieser Aufnahme 82 Jahre alt war, mit Vergnügen zu, seinen weise wirkenden Ritardandi, den Flageoletts, die viele seiner Schluß-pianos seltsam erhöhen und entrücken, auch den unendlich zarten Temposchwankungen, die wie kleine Ausrufungszeichen die Aufmerksamkeit immer wieder neu anregen. (Intercord 29 761–4 K, 22,– DM) Manfred Sack

Dürftig

The Rolling Stones: „Black And Blue“. Die böse Überraschung dieser neuen, zur Europa-Tournee veröffentlichten Platte ist, daß sie Konzessionen macht: an den Geschmack von Reggae-Fans und Discotheken-Klientel, an Pseudo-Jazz und Schnulzenkonsumenten. Reduziert auf drei Titel für eine LP („Hand of Fate“, „Memory Motel“ und „Crazy Mama“), wäre „Black And Blue“ eine klassische Stones-Platte in der Tradition von „Exile...“ geworden. In der vorliegenden Form ist sie das zwar aufnahmetechnisch eindrucksvollste, aber künstlerisch unbedarfteste und an Ideen ärmste Album der Stones seit „Their Satanic Majesties Request“. (Rolling Stones Records COC 59 106, 19,90 Mark)

Franz Schöler