Der Flirt der Franzosen mit den Amerikanern treibt die Briten wieder nach Europa

Britische und französische Arbeiter, die mit dem Bau des europäischen Airbus beschäftigt sind, drängen auf europäische Zusammenarbeit für die Fortentwicklung dieses Flugzeugs. Ihre Vertreter erklärten dem Vorsitzenden des künftigen Staatskonzerns British Aerospace Corporation, Lord Beswick: „Wir sind nicht gegen eine gewisse Kollaboration mit den USA, aber sie sollte nicht auf Kosten einer Kooperation in Europa begonnen werden.“ Dem Flugzeug-Lord kam die Botschaft nicht ungelegen, denn er hatte gerade selbst Fühler ausgestreckt, um die Möglichkeiten für eine späte offizielle Rückkehr Großbritanniens in das Airbus-Projekt zu erkunden, dessen dominierende Partner Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland sind.

Unter den britischen Flugzeugbauern herrscht Unrast. Sie vernehmen das Summen im europäischen Bienenstock und wollen auf jeden Fall mit von der Partie sein, wenn der Schwarm zum Abflug ansetzt.

Die Unruhe gilt der nächsten Generation von Mittelstreckenflugzeugen, welche die Flotten der Boeing 72 7, Trident und Caravelle ersetzen sollen. Für diesen riesigen Markt bereitet sich der amerikanische Gigant Boeing mit Reißbrettprojekten vor. Zugleich empfiehlt das Airbus-Konsortium seine weitbauchige Maschine als Ausgangspunkt für die Entwicklung einer kleineren Version.

Die Briten fliegen bisher in einer Sonderformation. Die Labourregierung Wilson verließ 1968 das Airbus-Projekt, wagte aber den Alleingang mit einem eigenen Großraumflugzeug nicht. Lediglich Hawker Siddeley Aviation blieb auf vertraglicher Basis im Airbus-Unternehmen. Die Firma liefert den Flügel und hat gewisse Verantwortlichkeiten für den Gesamtentwurf.

Während die Flugzeugbauer auf dem Kontinent ein neues Projekt ins Schaufenster stellen konnten, blieben die Briten auf den alternden Modellen sitzen. Hawker Siddeley Aviation hatte noch Glück, als Aufträge aus der Volksrepublik China das Leben der Trident verlängerten. Bei der British Aircraft Corporation schleppt sich die Produktion der BAC 1-11 durch gelegentliche Orders hin.

Die wirkliche Neuerung auf dem Gebiet der zivilen Luftfahrt, die überschallschnelle Concorde, ist ebenso spektakulär wie kontrovers. Die beiden Hersteller Frankreich und Großbritannien haben erreicht, daß sie den Linienverkehr von Paris und London in die USA für eine Versuchsperiode von sechzehn Monaten aufnehmen können. Am Montag begann der Dienst nach Washington. Aber New York, der weit wichtigere Platz, sperrt sich noch hartnäckig. Der mangelnde Enthusiasmus für das Flugzeug hat jedoch schon dazu geführt, daß die British Aircraft Corporation Leute entlassen mußte, weil sich das Bauprogramm der Concorde mangels neuer Aufträge allmählich seinem Ende nähert.