Die Weltmarktpreise für Rohkaffee haben ein Niveau erreicht, das bisher ohne Beispiel ist

Dieses Thema ist für uns überhaupt noch nicht aktuell“, heißt es bei Eduscho in Bremen, während Konkurent Jacobs lediglich „die Entscheidung über den Zeitpunkt“ noch nicht getroffen hat. Einig sind sich nahezu alle in der Kaffeebranche: Höhere Preise im Einzelhandel sind unumgänglich.

Doch mitten in einer Hausse am Rohkaffeemarkt mit Preisen, „wie es sie, seitdem Kaffee gehandelt wird, noch nie gegeben hat“, so der Deutsche Kaffee-Verband in Hamburg, scheut sich jeder der Branchengroßen, den Vorreiter zu spielen. Wer vorprescht, muß befürchten, Marktanteile zu verlieren. Doch warten die großen Röster, zu denen noch Tchibo, Melitta und Hag-Onko gehören, zu lange, dann geht manchem der Kleinen, die auf die Preisführer angewiesen sind, die Puste aus.

Denn ihre billig eingekauften Vorräte gehen zur Neige, und wenn sie heute beim Großhandel nachbestellen, müssen sie tief in die Tasche greifen. Der Hamburger Importeur Bernhard Rothfos zum Beispiel, nach eigenen Angaben „eines der größten europäischen Handelshäuser“, zahlt für einen Sack (60 Kilo) aus Zentralamerika jetzt 565 Mark gegenüber 215 Mark vor einem Jahr. Das entspricht einer Preissteigerung von 262 Prozent, während die Konsumenten für das anregende Getränk lediglich zwischen 15 und 19 Prozent mehr auszugeben brauchten.

Die Gründe für die Hausse auf dem Weltkaffeemarkt liegen fast, ein Jahr zurück. In der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 1975 fielen im südlichen Brasilien die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. In den Anbaugebieten um Parana, in den Staaten São Paulo, Minas Gerais und Mato Grosso erfroren 1,5 Milliarden Kaffeebäume, über die Hälfte des gesamten Bestandes.

Schon damals wurde klar, daß es sich nicht um einen der sogenannten „Routinefröste“ handelte, die zur Preisbelebung stets willkommen waren, sondern um eine Katastrophe, die es vorher nur in den Jahren 1918 und 1942 gegeben hatte. Damit war die erwartete Ernte für das Kaffeejahr 1976/77, die zuvor auf dreißig Millionen Sack geschätzt wurde, auf etwa neun Millionen reduziert.

Sofort begannen die Notierungen an den Börsen in New York und London zu klettern, im zweiten Halbjahr 1975 insgesamt um 53 Prozent. Das, was die Produzenten durch Kartellbildungen und Exportbeschränkungen nicht geschafft hatten, erreichte der brasilianische Frost nahezu über Nacht. Zu den exorbitanten Preissteigerungen trugen außerdem Erdbeben in Ekuador, Überschwemmungen in Kolumbien, Auseinander –