Die Paukenschläge, mit denen Ford-Köln in den letzten Jahren neue Modelle einführte, wurden fast alle vom Verkaufserfolg belohnt. 1975 verbuchten die Kölner ein Rekord-Plus von fast 70 Prozent bei den Zulassungszahlen in der Bundesrepublik, der Marktanteil stieg von mageren zehn Prozent 1974 auf 13,6 Prozent. Ein Modell indes bremst den Höhenflug: der Capri. Ausgerechnet dieses erst 1974 in seiner neuen Form präsentierte sportliche Kombi-Coupé mußte im Boom-Jahr 1975 einen Rückschlag hinnehmen, auch im heißen Auto-Frühling 1976 stehen die Zeichen auf Minus.

Ford versucht jetzt mit einem gestrafften Programm, mit angereicherter Ausstattung und mit günstigen Preisen dem Capri doch noch zu einem späten Durchstarten zu verhelfen. Den Freunden sportlichen Fahrgefühls soll dazu die neue S-Version entgegenkommen, die mit strafferen Fedem, Stabilisatoren, Gasdruck-Stoßdämpfern und einem (erfreulicherweise einigermaßen dezenten) Bugspoiler ausgerüstet ist. Der „S 3.0“ ist künftig das Spitzenmodell der Capri-Reihe. Er gehört – so der Pressetext – mit seinen Fahrleistungen in die exklusive Spitzengruppe sportlicher Nobelautos – kostet aber nur die Hälfte: 16 310 Mark.

Der Dreiliter-Motor von 138 PS, bereits aus dem Granada bekannt, beflügelt den Capri tatsächlich zu respektablen Leistungen: Die Spitzengeschwindigkeit beträgt nahezu 200 km/st, Tempo 100 läßt sich aus dem Stand in 8,9 Sekunden erreichen – wobei der bullige „V-6“ seine Kraft aus dem Vollen schöpft, bei Höchstleistung bescheidene 5000 Touren dreht und aus niedrigsten Drehzahlen kraftvoll antritt: Mit diesem Triebwerk könnte man auch einen Lastwagen kräftig motorisieren.

Die neue S-Reihe beginnt mit dem V-6 von zwei Litern und 90 PS, der ebenfalls neu in den Capri aufgenommen wurde. Die übrigen Motoren von 1,3 Litern und 54 PS an aufwärts sind bekannt. Die bisherigen Embleme „XL“ und „GT“ wurden abgelegt. Wie die übrigen Ford-Modelle beginnen die Capris jetzt mit dem „L“ als Grundversion, hinzu kommen die „GL“- und „Ghia“-Modelle (und natürlich der neue „S“). Auch in der preiswertesten Version gibt es jetzt die geteilte Rücksitzlehne der früheren teureren Modelle, die den (über die große Heckklappe bequem zugänglichen) Heckraum besonders wandlungsfähig macht: Viersitzer mit normalem Kofferraum, Dreisitzer mit vergrößertem Kofferraum, Zweisitzer mit Kombi-ähnlichem Laderaum. Auch beim preiswertesten Capri findet sich eine (von Ford in großem Stil eingeführte) Komplettausstattung wieder: Automatikgurte sind ebenso vorhanden wie eine Verbundglas-Windschutzscheibe, ein elektrischer Scheibenwäscher, eine heizbare Heckscheibe und Stahlgürtelreifen.

– ck