Zweieinhalb Milliarden Mark sind für die deutschen Kernkraftwerk-Hersteller kein Pappenstiel. Ein Geschäft mit Südafrika über die Lieferung von zwei Reaktoren schien noch im vergangenen Herbst so gut wie sicher zu sein. Aber nun fiel der Zuschlag an Frankreich. Außer den anfänglich favorisierten Deutschen sind auch die späteren aussichtsreichen Wettbewerber – Amerika und die Niederlande – allesamt an selbst errichteten politischen Hindernissen gescheitert.

Die Bundesrepublik war vorübergehend sogar in den zwar absurden, gleichwohl wirksamen Verdacht geraten, sie wolle Südafrika auf verschlungenen Pfaden dazu verhelfen, zu? Kernwaffenmacht aufzusteigen. Diese Behauptung, von der Anti-Apartheid-Bewegung African National Congress als Agitation in die Welt gesetzt, wurde von wirtschaftlichen Rivalen genüßlich aufgegriffen. Den Ausschlag indessen gab erst die jüngst in die deutsch-südafrikanischen Beziehungen eingekehrte Frostigkeit: Genschers Eilfertigkeit nach dem Fall von Angola, Schwarzafrika diplomatische Reverenz zu erweisen und dabei Pretorias Düpierung in Kauf zu nehmen.

Die Franzosen haben sich da viel kühler und kommerzieller verhalten; außerdem haben sie schon lange Waffen an Südafrika geliefert. Wir sollten ihnen das Geschäft dennoch nicht neiden. Der Kontrakt hätte der Bundesrepublik noch bis ins nächste Jahrzehnt hinein politischen Verdruß bereitet: weil Südafrika nicht dem Atomsperrvertrag angehört, weil politische Rückwirkungen in Afrika nicht ausgeblieben wären. Jedenfalls wäre die Sache zweischneidig gewesen. Be.