Von Wolfgang Hoffmann

Als Entwicklungsminister Egon Bahr die Bühne der vierten UN-Konferenz für Handel und Entwicklung in Kenias Hauptstadt Nairobi betrat, litt er unter dem Trauma, „allein gegen den Rest der Welt“ zu stehen. Als er das Theater verließ, befand er sich zwar in Gesellschaft, der ihm verordnete Beistand war indes arg angeschlagen: Ausgerechnet Wirtschaftsminister Hans Friderichs, als Gralshüter der Marktwirtschaft nach Nairobi geeilt, hatte nachgegeben. Er stimmte einer neuen Konferenz zu, auf der sich die Entwicklungsländer nun endgültig stabile Rohstoffpreise sichern wollen.

Die Debatte über die Sicherung stabiler Preise für die Rohstoffe aus der Dritten Welt war das zentrale Thema der Konferenz – und wird die politische Auseinandersetzung noch lange bestimmen. Die Entwicklungsländer beharrten auf ihrem „integrierten Programm“: Mindestpreise für Rohstoffe, ihre Koppelung an die Teuerungsrate industrieller Ausfuhrgüter sowie die Finanzierung von Rohstofflagern (Buffer Stocks) zum Ausgleich von Schwankungen des Absatzes und der Preise.

Mit dem Beschluß, spätestens bis zum März 1977 eine neue Konferenz abzuhalten, ist praktisch das programmiert, was mit allen Mitteln verhindert werden sollte: eine gigantische Marktordnung nach dem Muster der europäischen Butter- und Milchberge. Über eine große zentrale Kasse sollen die Rohstoffpreise vorwiegend mit dem Geld der Reichen künstlich auf hohem Niveau gehalten werden.

Gut drei Wochen hatte der „harte Kern“ der Industriewelt – die Bundesrepublik, Großbritannien und die USA – allen Lockungen und Drohungen der Entwicklungsländer widerstanden. Doch zu Beginn der letzten Konferenzwoche bröckelte die Front ab. Das wichtigste Ziel der Dritten Welt – die Kasse – war in greifbare Nähe gerückt. Der Sprecher der Entwicklungsländer, Jamaicas Chefdelegierter Herbert Walker, konnte frohlocken: „Das Baby ist geboren, jetzt fehlt nur noch die Kost.“

Diesem Triumph war eine Konferenz vorausgegangen, die zeitweise tumultartige Formen angenommen hatte. Delegierte, Experten, Dolmetscher und Hilfspersonal waren bis zur physischen Erschöpfung rund um die Uhr im Einsatz. Nach einer vierwöchigen Konferenzfarce fehlte schließlich allen der Durchblick.

Schon die Eröffnung war eher lächerlich als feierlich. Ausgerechnet dem philippinischen Staatschef Marcos war es vorbehalten, die Industriewelt zu einem gigantischen Ressourcentransfer aufzufordern: Asiens neureichster Mann begehrte eine Umverteilung großen Stils.