Von Rudolf Herlt

Im amerikanischen Kongreß wird gegenwärtig die Rüstung für ein Söldnerheer vorbereitet, das sich zum Kampf gegen Auslandsbanken bereitmacht. Ob es tatsächlich losschlagen wird, hängt in einer Demokratie von vielen Dingen ab, nicht zuletzt davon, ob die Auslandsbanken die Amerikaner davon überzeugen können, daß sie nichts anderes tun, als mit fairen Mitteln in den USA Bankgeschäfte zu betreiben, so wie das die US-Banken auch in Europa tun. Aber Auslandsbanken haben in den USA keine Lobby. Wenn das Schlimmste eintreten sollte, bliebe nur der Ausweg, Regierungen und Parlamente in Europa zu einem Vergeltungsschlag gegen US-Banken zu mobilisieren.

Das Schlimmste – das wäre die Verabschiedung eines Gesetzentwurfs, der am 12. April 1976 dem Kongreß als „International Banking Bill 1976“ vorgelegt wurde. Käme der Entwurf unverändert durch, würden die Aktivitäten aller Auslandsbanken in den USA empfindlich beschnitten werden, einige müßten sich sogar ganz aus den USA zurückziehen.

Das kann auch den deutschen Banken nicht gleichgültig sein. Sie sind nach einer ausgedehnten Nachkriegsperiode des Zögerns erst in den letzten vier bis fünf Jahren mit eigenen Filialen oder Tochterinstituten in die Vereinigten Staaten gegangen (siehe Aufstellung) und haben im Eiltempo das Versäumte nachgeholt. Amerikanische Banken waren schon viel früher nach Europa aufgebrochen. Sie kamen bereits in den sechziger Jahren im Gefolge der amerikanischen Industrie, die in vielen europäischen Ländern Unternehmen aufgekauft oder Beteiligungen erworben hat.

Die amerikanischen Banken werden nicht in allen Ländern Europas gleich behandelt. Aber in der Bundesrepublik sind sie Nutznießer jenes liberalen Klimas, das in unserem auf den Außenhandel angewiesenen Land vorherrscht. Sie sind praktisch keinen Beschränkungen unterworfen. Die in der Bundesrepublik tätigen US-Banken (siehe Aufstellung) wissen das zu schätzen.

Es sind denn auch nicht die international tätigen Banken, die den europäischen und japanischen Banken das Leben schwermachen wollen. Für sie ist der Grundsatz der Reziprozität – „Wie du mir, so ich dir“ – ein Gebot der Fairneß. Natürlich schlagen sie sich nicht für ihre Konkurrenten beim Gesetzgeber – wer würde das unter Wettbewerbsbedingungen erwarten. Aber sie tun nichts, was darauf schließen ließe, daß sie sich vor der europäischen und japanischen Konkurrenz fürchten.

Nein, die Angst sitzt anderswo – bei den vielen kleinen und mittleren Banken in den Vereinigten Staaten, die das internationale Geschäft nicht kennen. Sie lassen kaum eine Gelegenheit vorübergehen, ihren Konkurrenten aus dem Ausland zu zeigen, daß sie diese für unerwünschte Eindringlinge halten.