Jedes Jahr steht Belgien unter einem anderen Stern. Schlösser und Folklore haben, neben anderem, die vergangenen Jahre geprägt, 1976 ist den Landschaften, Parks und Gärten gewidmet und auch 1977 ist schon vergeben: an Rubens.

Angesichts dieses Eifers fragt man sich nach Sinn und Ziel der Widmungen. Die Tatsache allein, einem jeden Jahr einen anderen Aspekt zu verleihen, dürfte nicht unbedingt zu einer Vergrößerung des Touristenstroms beitragen. Vielmehr sollen wohl diese Widmungen Anlaß sein, längst Vergessenes ins Bewußtsein zurückzurufen, Vernachlässigtes wieder aufzupolieren, Einwohner, aber auch Touristen an belgische Eigenarten zu erinnern.

So werden Einheimische und Ausländer (die Deutschen buchten im vergangenen Jahr 1,4 Millionen Übernachtungen) 1976 ihr Augenmerk auf Landschaften, Parks und Gärten richtet. Derer gibt es viele in Belgien. Das Land ist reich an Schlössern, die sich hier wie überall dem Publikum geöffnet haben.

Es lohnt sich in der Tat, als Alternative zu den oft zitierten Loire-Schlössern einmal die Schlösser Belgiens, nicht zuletzt wegen ihrer Parks – eine Mischung aus englischer, französischer und italienischer Gartenarchitektur –, zu besuchen.

Diese Anlagen sind eingebettet in ein landschaftlich abwechslungsreiches Land, denkt man an die Sümpfe und Heiden im Norden, beispielsweise in der Provinz Antwerpen, an die Sandberge der, ebenfalls im Norden gelegener, Provinz Limburg, an die weiten Wälder, durchbrochen von Flüssen und tiefen lälern, im Südosten des Landes; man erinnere sich schließlich an die hierzulinde bekannteren Gegenden – an die Provinz Namur mit ihren bizarren Felsen in zerklüfteten Tälern, an die Nordseeküste und an die Ardennen.

Eines der reizvollsten Panoramen bietet Flandern, Heimat vieler Künstler: Saftige, endlose Wiesen, durch die sich Kanäle ziehen und denen Begonienfelder und Deiche Auflockerung verleihen.

Der belgische Nachbar ist jung, erst 146 Jahre alt. Französische, deutsche und flämische Mentalitäten wurden an seinem Geburtstag in einem Nationentopf zusammengerührt, vollständig vermischt haben sie sich nicht. Vielleicht sucht Belgien deshalb nach Gemeinsamem, und Landschaften, Parks und Gärten sind nun mal, bei allen Sprachenkriegen, etwas, das allen Belgiern gemein ist. Politisches scheint hier mit Touristischem verbunden – zum Gewinn aller Parteien.

Marion Gusovius