Vor zwei Jahren hatten sie im Bundeskabinett für Auseinandersetzungen und in der Öffentlichkeit für massive Proteste gesorgt, doch inzwischen zeigt es sich: Die enormen Gebührenerhöhungen bei der Bundespost, vom damaligen Minister Horst Ehmke gegen den Widerstand des Wirtschaftskollegen Hans Friderichs durchgesetzt, zahlen sich aus.

Die Post hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von 600 Millionen Mark erwirtschaftet, doppelt soviel wie zunächst erwartet. Mehr noch: Auch in diesem Jahr erwartet sie einen Überschuß von 400 und im nächsten Jahr von 300 Millionen Mark, so daß die nächste deftige Gebührenerhöhung wohl erst für 1978 ansteht.

Kurt Gscheidle, der es genießt, ausnahmsweise auch einmal etwas Erfreuliches zu berichten, sieht darin den Beweis, daß selbst ein öffentlich-rechtlich verfaßtes Unternehmen „wirtschaftlich geführt werden kann“.

Freilich: Diese wirtschaftliche Führung ist noch nicht sehr alten Datums. Denn daß es der Post derzeit gutgeht und daß ihr im vergangenen Jahr auf 15 Prozent geschrumpftes Eigenkapital mittlerweile wieder die Zwanzig-Prozent-Schwelle überschritten hat, ist zu einem erheblichen Teil das Ergebnis überfälliger Rationalisierungen. Trotz der Arbeitszeitverkürzung konnte das Post-Personal im vergangenen Jahr um dreitausend Köpfe verringert werden; in diesem Jahr soll es um 10 000 und bis 1979 um 50 000 Mitarbeiter schrumpfen.

Man stelle sich vor, diese Schlankheitskur hätte früher begonnen, etwa unter Georg Leber oder unter der Ägide des heutigen Oppositionellen Werner Dollinger: Die teure deutsche Post wäre international wohl eines der wirtschaftlichsten Unternehmen seiner Art. Schon seit vielen Jahren wissen Fachleute, daß das größte Unternehmen des Bundes mindestens fünfzig-, möglicherweise sogar hunderttausend Mitarbeiter zuviel auf seinen Gehaltslisten führt. Doch ehe der Staat ein Unternehmen „wirtschaftlich“ zu führen lernt, muß es ihm schon ziemlich elend gehen.

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Man mag es zwar noch nicht glauben, sollte es aber auch nicht ganz ausschließen: Das gerade erst vom Bundestag verabschiedete und von Bundesinnenminister Werner Maihofer wider bessere Einsicht verteidigte Abwässer-Abgabengesetz könnte in der kommenden Legislaturperiode doch noch eine Änderung erfahren.