Von Adolf Metzner

Doping, ein Wort, das aus der Kaffern-Sprache stammt, war der Name eines stimulierenden schweren Schnapses, Im Vokabular des modernen Sports beschreibt Doping sicher eine besonders häßliche Erscheinung, die als typisch für unsere Zeit gilt.

Tatsächlich dopten sich aber schon die griechischen Athleten der Antike, und in der heutigen Sportära sind Dopingfälle auch schon seit über 100 Jahren bekannt. 1865 nahm ein Kanalschwimmer Drogen zur Leistungssteigerung zu sich. Ab 1879, als die Sechstagerennen, mit ihren wahnwitzigen Anforderungen an die Fahrer, begannen, könnte man schon von einer Dopingszene sprechen.

Aber es steht außer Zweifel, daß erst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, die dem Sport eine geradezu unheimliche Leistungssteigerung bescherte, das Doping auch im sogenannten Amateurlager grassierte. Jetzt wurden die Aufputschmittel, vor allem die Amphetamine, zu beliebten Pharmaka. Spektakuläre Todesfälle, besonders beim Radrennen – einer sogar bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom – veranlaßten das Internationale Olympische Komitee und die Fachverbände zu energischer Gegenwehr. Zunächst wurde in Ländern, wo der Radrennsport populär war, sogar Anti-Doping-Gesetze verkündet und selbst die Polizei zur Überwachung eingeschaltet.

Später machte man es besser und übertrug die Kontrolle Ärzte-Kommissionen, die heute mit Absicht sehr geräuschlos arbeiten. Sie bedienen sich der raffiniertesten chemischen Nachweismethoden, wobei die Chromatographie im Vordergrund steht. Der Urin ist als Untersuchungsmaterial dabei besser geeignet als Blut, da er eine höhere Drogenkonzentration aufweist.

Seitdem diese Überprüfung in Form von Stichproben bei Großveranstaltungen routinemäßig durchgeführt wird, ist das Doping mit Amphetaminen und überhaupt mit Pharmaka weitgehend verschwunden. Das zeigt die Zahl der ertappten Dopingsünder, die weit unter einem Prozent, ja oft unter einem Promille liegt.

Aber in der Dopingszene zeichnet sich jetzt ein Panoramawechsel ab. Dort, wo man wie bei den Aufputschmitteln hervorragende Nachweismethoden besaß, konnte man dieser Seuche Herr werden. Aber neue Formen des Doping tauchten auf, die sich schon einer engen Definition, aber, was entscheidender war, auch dem Nachweis entzogen. Gemeint sind die Anabolika, die zu einer vermehrten Eiweißmast in der Muskulatur führen. Noch heute glauben viele Zuschauer, es träten Riesen von einem anderen Stern in die Arena, wenn die monströsen Kugelstoßer und Diskuswerfer aufmarschieren.