Von Heinz-Günter Kemmer

Die jährlichen Bilanzpressekonferenzen der Düsseldorfer Mannesmann AG sind kürzer als die aller vergleichbaren Unternehmen. Sie beginnen auf die Minute genau. Pünktlich betritt der Vorstandsvorsitzende, Egon Overbeck, den Konferenzraum und kommt ohne Umschweife zur Sache. Ein kurzer Vortrag, dann das Frage-und-Antwort-Spiel, bei dem die Antworten meist kürzer sind als die Fragen.

„Typisch Generalstäbler“ – so wird das gelegentlich in Anspielung auf Overbecks militärische Vergangenheit kommentiert. Aber das ist wohl eine zu simple Erklärung. „Typisch Overbeck“ ist da schon besser – er wäre ohne Generalstabsvergangenheit kaum anders.

Schon seine unterkühlte norddeutsche Art schützt ihn vor langatmiger Schwafelei. Und man hat bei ihm mehr als bei anderen Managern den Eindruck, daß Zeit einen Wert hat. Vielleicht ist er aber auch nur ehrlicher – wer würde schon geladenen Gästen nach relativ kurzer Zeit eröffnen, er müsse nun gehen, weil er noch etwas anderes vorhabe?

Die Karriere des Egon Overbeck ist anders verlaufen, als er sich das vorgestellt hatte. Der 1918 in Heide (Holstein) geborene Beamtensohn wollte Berufssoldat werden. Nach dem Abitur eilte er zu den Fahnen, wie das damals so verniedlichend hieß, und wurde Artillerieoffizier. Nach einigen Verwundungen wurde er 1942 zum Empfang der höheren Weihen der deutschen Wehrmacht auserkoren und zu einer Generalstabsausbildung abkommandiert. Bei Kriegsende war er Major im Generalstab.

Damit ließ sich 1945 wenig anfangen. So begann Overbeck mit 27 Jahren eine kaufmännische Lehre bei einer chemischen Fabrik in Lüneburg. Anschließend studierte er Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt. Das Geld dazu verdiente er sich bei der Metallgesellschaft, die später dem jungen Diplom-Kaufmann zum ersten Full-Time-Job verhalf.

Schon 1951 hatte Overbeck seinen kriegsbedingten Karriererückstand aufgeholt: Er würde im Alter von 33 Jahren Prokurist bei der Metallgesellschaft. Ein Jahr später promovierte er, 1956 wurde er stellvertretendes Vorstandsmitglied der Vereinigte Deutsche Metallwerke AG, einer Tochter der Metallgesellschaft.