Muammar Khadafis Waffen: der Koran und die Kalaschnikow

Von Aref S. Hajjaj

Man ist versucht, voreingenommen zu sein, wenn man ein Buch über einen Mann liest, der in der arabischen Welt und auch anderswo so umstritten ist wie der libysche Staatschef, Oberst Muammar Khadafi. Auch die Autorin dieses umfassenden und mit vielen Dokumenten belegten Buches macht es einem nicht gerade leicht, sich über diese Voreingenommenheit hinwegzusetzen:

Mirella Bianco: „Khadafi – der Sohn der Wüste und seine Botschaft“; Holsten Verlag, Hamburg 1975; 263 S., 28,– DM.

Mirella Bianco geht zwar ungeniert auf den oft gescholtenen „Khadafismus“ ein, das Resü-– mee ihres Buches erschöpft sich jedoch im apologetischen Versuch, Khadafis Kritiker anzuprangern und ihnen die Schuld am negativen Bild des libyschen Präsidenten anzulasten. Das Buch gliedert sich in drei Hauptteile: 1. Khadafis Leben und agitatorisches Werken am Vorabend der Machtübernahme durch den Staatsstreich vom 1. September 1969; 2. Vorankündigung der Revolution, Erklärungen des Kommandorates, Reaktionen aus dem Ausland; 3. das System Khadafis aus der Perspektive des ideologischen Wandels und einer offensiven militanten Außenpolitik.

Abgrenzung von Nasser

Der erste Teil schildert die frühe Jugend sowie den geistigen und politischen Hintergrund Khadafis. Verwandte, Freunde und Gefährten der ersten Stunde kommen ausführlich zu Wort. Aussagen über die vermeintliche Größe und „Einzigartigkeit“ Khadafis (die Autorin zitiert in diesem Stil auch solche Freunde, die sich, wie Omar al-Maishi, inzwischen von ihm getrennt haben) geraten gelegentlich ins Belanglose. Berichtet wird über Khadafis Leidenschaft für das Politische, seine tief verwurzelte Bindung an Familie und Qabila (Stamm), seine ärmliche Kindheit und seinen Widerwillen gegen die Fremdherrschaft und jenes von ihm verhaßte Syrter „Bürgertum‘, schließlich über seinen religiös bedingten Asketzismus.