Von Heidi Dürr

Neben „Bavaria“ und „Studio Hamburg“ produzieren rund hundert private Unternehmen Spielfilme, Dokumentationen und Serien für die Fernsehanstalten, eine Zusammenarbeit, die beiden Seiten Vorteile – und Abhängigkeiten – bringt.

Sie heißen Mohr von Chamier und Harald Müller, Max Gierke und Helmut Ringelmann, Wolfgang Venohr, Rainer Erler und Heinz Kuntze-Just. Sie unterhalten, meist mehrmals im Jahr, Millionen von Bundesbürgern. Dem Fernseh-Normalverbraucher aber sind sie ebensowenig bekannt wie die Produzenten von „Ernte 23“ oder „Ajax 2000“. Ihre Namen liest er höchstens einmal im „Abspann“ von Fernsehproduktionen oder in den Programmzeitschriften, wo die sogenannten freien Fernsehproduzenten zuweilen der Öffentlichkeit vorgestellt werden – immer, wenn Produktionen wie der „Kommissar“ (Ringelmann), die Peter-Alexander-Show (Rademann), „Das Fernsehgericht tagt“ (Kuntze-Just) oder „Die neuen Leiden des jungen W.“ (Müller) farbigen Schreibstoff abgeben.

In der Bundesrepublik gibt es achtzig bis hundert solcher Unternehmer, die im Auftrag der neun ARD-Anstalten (I. und III. Programm) und des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) Filme, Fernsehspiele, Musiksendungen, Dokumentationen und TV-Serien herstellen. Ihre Anzahl schwankt, da manche Firmen nach ein oder zwei Produktionen wieder liquidiert, andere neu gegründet werden. 47 Unternehmen sind derzeit im Bundesverband Deutscher Fernsehproduzenten organisiert. Er wurde 1962 von einigen ehemaligen Spielfilmproduzenten mit dem Ziel gegründet, die bereits zehn Jahre dauernde Konfrontation zwischen Filmwirtschaft und Fernsehen zugunsten einer Kooperation abzubauen.

Von Struktur und Größe der Unternehmen her gesehen, bietet die Branche ein buntes Bild. Da sind Großunternehmen wie die Münchner „Bavaria“ und „Studio Hamburg“ (ZEIT Nr. 23), die als Tochterfirmen der privatwirtschaftlichen Werbegesellschaften vom Westdeutschen Rundfunk und Südfunk Stuttgart beziehungsweise Norddeutschen Rundfunk und Radio Bremen indirekt mit den öffentlich-rechtlichen Anstalten verbunden sind. Mit ihnen konkurrieren Tochter- und Enkelfirmen großer Medienkonzerne, wie „stern tv“ (Gruner + Jahr), die „Bertelsmann Fernsehproduktion“ oder die TV-Produktionsgesellschaft der Deutschen Buchgemeinschaft in Darmstadt (50 Prozent Bertelsmann). Daneben halten sich – zum Teil sehr erfolgreiche – Kleinunternehmen bis hin zu Ein-Mann-Betrieben wie der „Pentagramma Filmproduktion“ von Rainer Erler im bayerischen Bairawies.

Die meisten Auftragsproduzenten sind kleinere und mittlere Einzelfirmen. Drei bis zehn feste Mitarbeiter sind die Regel. Nur die größeren Ermen in dieser Gruppe, die zum Teil auch technische Anlagen (zum Beispiel Schneideräume) unterhalten, beschäftigen 30 bis 50 Angestellte. Auch die Umsätze schwanken beträchtlich. Bei der Mehrzahl der freien Produzenten liegen sie zwischen einer und zehn Millionen Mark pro Jahr. Der Gesamtumsatz aller Auftragsprocuzenten mit ARD und ZDF wird auf 350 Millionen Mark geschätzt.