Von Bernd Dassel

Wenn Klaus-Peter Thaler an die Zukunft denkt, entfährt ihm so manches Mal ein Stoßseufzer. Was wird, wenn Montreal vorüber ist? Der potentielle Olympionike und zweimalige Querfeldein-Weltmeister im Radfahren hat derzeit keinen Arbeitsplatz. „Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll“, gesteht er resignierend.

Der 26jährige Sohn eines Arztes aus Dreis-Tiefenbach in der Nähe Siegens hat sich selbst einmal als „verkrachte Sport-Existenz“ bezeichnet. Damals, als er noch jünger war und nach dem Abitur zur Jagd auf das Regenbogen-Trikot des Querfeldein-Weltmeisters ansetzte, wählte er das Pädagogik-Studium, „nicht aus Neigung, sondern weil es mir die besten Trainingsmöglichkeiten zu gewährleisten schien“.

Thaler ist ein zäher Kämpfer. Mit der gleichen Zielstrebigkeit, mit der er nach sportlichem Lorbeer strebt, brachte er, gleichsam en passant, die Ausbildung an der PH in Hüttental hinter sich. Freilich: Lehrer mochte er nicht werden; als er sich für dieses Studium immatrikuliert hatte, war das in seinen Augen nicht mehr als eine intellektuelle Notbremsung gewesen. Eigentlich hatte es ihn zur Medizin gezogen, doch da gab’s schon den Numerus clausus, an dem auch der zweimalige Welt-Champion, sonst daran gewöhnt, mit dem Rad die übelsten Hindernisse zu überwinden, gescheitert war. Aber in irgendeiner Weise sollte sich das Abitur nun doch noch bezahlt machen. Also: Pädagogik. Für alle Fälle.

Die Erkenntnis, die der selbstkritische Radler aus seiner Studenten-Zeit zog, war realistisch und ernüchternd zugleich: „Zum Lehrer bin ich nicht geeignet.“ Also bewarb er sich schließlich bei der vor einem Jahr gegründeten Trainer-Akademie in Köln und wurde auch zugelassen – als einer der zwanzig ersten Absolventen, die jüngst ihre Examina abgelegt haben. Nun ist Pädagoge Thaler auch Trainer, nur einen Job hat er nicht bekommen.

Die 1300 Mark Unterstützung durchs Arbeitsamt sind ihm nach der Prüfung vielmehr genommen, und da der Bund Deutscher Radfahrer mit vorolympischem Eifer seine Nationalfahrer en bloc an Veranstalter abgibt, sind auch die Spesen und Startgelder limitiert. Für den Weltmeister gelten die gleichen Sätze wie für die anderen neun Olympiakandidaten. Mit Kassemachen ist nichts...

Aber nicht nur diese Maßnahme der Verbandsgewaltigen wurmt den stellungslosen Champion. Auch manches an der Planung in den Monaten vor Montreal scheint ihm nicht genug durchdacht. Wenn man auf dem kanadischen Straßenkurs demnächst nicht hoffnungslos ins Hintertreffen geraten wolle, müsse man schon vorher die Auseinandersetzung mit den Besten der Welt suchen, argumentiert er und beklagt, daß Bundestrainer Ziegler seine Auserwählten nicht in harte Mehr-Etappen-Rennen schickt. „Da bekommt man Härte und Kraft“, urteilt der Akademie-Absolvent, mit vielen Erkenntnissen modernster Trainingslehre gerade intensiv vertraut gemacht.