Beachtlich

„Wie tief bin ich gesunken...“ von Luigi Comencini. Was Luchino Visconti in seinem letzten Film „L’innocente“ noch als schwermütig-schwelgerisches Ausstattungsstück zelebrierte, verarbeitet Comencini zu einer elegant-frivolen Komödie: die italienische Bürgerwelt um die Jahrhundertwende mitsamt ihren erotischen Verklemmungen und patriotischen Manifesten. Wo Visconti einen Roman Gabriele d’Annunzios verfilmt, läßt der vor allem von französischen Kritikern verehrte Comencini den Dichterfürsten leibhaftig auftreten, porträtiert ihn in einer prägnanten Sequenz als Parvenu von olympischer Eitelkeit. Die Wallfahrt zu d’Annunzio ist nur eine Station auf der langen Reise einer schönen Marquesa (Laura Antonelli) durch die morbiden Salons und rustikalen Idyllen einer mit Ironie und Stilempfinden rekonstruierten Epoche. Dabei faszinieren weniger Laura Antonellis hartnäckige Anstrengungen, ihre Jungfräulichkeit zu verlieren, als die hinterhältige Grazie, mit der Comencini die Klischees und Konventionen des neoromantischen Kostümkinos spielerisch variiert und leiser Lächerlichkeit preisgibt.

Mittelmäßig

„Lisztomania“ von Ken Russell. Franz Liszt als Super-Pop-Star des Biedermeier, Lola Montez und George Sand als Groupies, Richard Wagner als Dracula, Frankenstein und Hitler in einer Person: bei Russell, dem mit „Mahler“ noch ein Künstlerporträt von bizarrer Präzision gelungen war, langt es nurmehr zu einer ermüdenden Addition beliebiger Kabarettnummern, die auch durch flotte Anachronismen, pseudokritische Analogien und verwegene Besetzungsideen (Ringo Starr als Papst) kaum an Überzeugungskraft gewinnen. Kino als grober Unfug ohne Ökonomie, Disziplin und gedankliche Schärfe, In „Lisztomania“ berauscht sich ein maßlos eitler Berserker an den Trümmern seines Talents, verliert sich in einer Fülle von höchst disparaten Einfällen, die doch nur in schriller Monotonie verenden.

Ärgerlich

„New York antwortet nicht mehr“ von Robert Clouse ist ein genüßlich brutaler Endzeit-Western in der Tradition von Boris Sagais „Der Omega Mann“ und Richard Fleischers „Das Jahr 2022“. In den Ruinen des von einer atomaren Katastrophe zerstörten New York liefern sich Straßenbanden blutige Duelle. Nur Max von Sydow, der von Film zu Film immer schlechter wird, glaubt noch an die Zukunft und heuert sich Yul Brunner an, der mit blankem Schädel, blanker Brust und blankem Messer Furcht und Schrecken verbreitet. Wie der unvergessene Bruce Lee, mit dem Clouse den „Mann mit der Todeskralle“ drehte, darf sich Brunner als wendiger Nahkampfspezialist produzieren. Clouse garniert seine im Hauruck-Stil billiger Fernsehserien gedrehten ekelhaften Gewalttätigkeiten und larmoyanten Weisheiten über das Ende der Menschheit und läßt gar den stoischen Killer mit einer schwangeren Begleiterin in ein fernes Paradies entschwinden.

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