Von Dietrich Strothmann

Ist Israel an allem schuld? So, wie früher einmal Antisemiten die gemeine Geschichte von den Juden, die „unser Unglück“ seien, in die Welt setzten? Auch dann, wenn natürlich jene, die heute den Israelis so schnell alles in die Schuhe zu schieben trachten, gewiß nicht in jedem Fall Judenfeinde sind? Denn zwischen einem Feind und einem Kritiker kann die Distanz meilenweit sein. Doch ist festzuhalten, daß sich gegenwärtig viele finden, die jede scheinbare Ausweglosigkeit im Nahen Osten allein den Israelis anlasten, und das dies, in der Nachfolge einer frühreifen Fatah-Begeisterung inzwischen ausgelaufener Apo-Welden, eine modische Attitüde in der politischen Literatur geworden ist: Wer, wenn nicht Israel macht Frieden in Palästina unmöglich?

Diesem Tagestrend leiht leider auch ein sonst eher überlegen urteilender Journalist, der sich mit einem Afrikabuch einen Namen gemacht hat, willig seine Feder:

Fritz Schatten: „Entscheidung in Palästina“; Seewald Verlag, Stuttgart 1976; 240 S., 26,– DM.

Nicht etwa, daß es sich hier nur um einen verlängerten Leitartikel handelte, schnell konzipiert, fix zu Papier gebracht, polemisch im Ton, einseitig in der Argumentation. Wenngleich zu spüren ist, daß die Terminknute des Verlegers dieser aktuellen Buchreihe keine Muße zum Nachdenken und zum Abwägen gestattete – ganz so leicht macht es sich Schatten denn doch nicht mit seinen Vorbehalten, oft auch Vorwürfen gegenüber der großen israelischen Verweigerung, den arabischen Bedingungen und amerikanischen Forderungen für einen Frieden nachzugeben.

Er sieht schon Fehler und Mängel auf beiden Seiten des Jordan, freilich sieht er mehr auf der israelischen. Und da schleichen sich bei ihm, der sich ein Koexistenzkonzept für eine politische Lösung der nahöstlichen Krise ausgedacht hat, allerhand Einseitigkeiten, Ungenauigkeiten, Felldeutungen ein, mehr als erlaubt.

Denn was Schatten nicht so recht ins Konzept paßt, wird gelegentlich unterschlagen oder so zurechtgebogen, daß es sich einfügt. Das nimmt dieser Darstellung manches von ihrem Wert, den sie sonst hat: eine eingängige, übersichtliche, mit guten Zutaten angereicherte, nicht von zu vielen Details überbordende Konfliktgeschichte für den Hausgebrauch, engagiert und temperamentvoll dargeboten. Es ist dann doch kein nützliches, kein hilfreiches Buch daraus geworden.