Versuch einer Antwort auf einen Angriff und einer Laudatio

Von Willi Bongard

Es ist wahrhaftig leicht, über ihn zu spötteln: Wer, wie er, seinen breitkrempigen Filzhut selbst im trauten Kreis der Familie aufbehält, wer sich, wie er, seine an finstere Kriegstage gemahnende (Stuka-)Fliegerweste selber schneidert und obendrein noch ein Stück Hasenfell daran heftet, wer sich von seinen Verehrern in biblischer Pose über den Rhein rudern läßt, kurzum, wer wie Joseph Beuys aussieht, daherkommt, agitiert, endlos prozessiert und sich selber plakatiert, der darf sich nicht wundern, daß sein Bild in der Geschichte (gegenwärtiger Kunst) nicht nur schwankt, sondern oft genug zur Karikatur gerät. Wie zum Beispiel in der ZEIT.

Wie hieß es da vor kurzem in Nr. 18 vom 23. April über den Düsseldorfer „Filz- und Fettkünstler“, als der er gemeinhin apostrophiert wird? „Wie er so dasteht in seiner Windjacke, das Gesicht vom Hutrand beschattet, mutet er auch ohne Pferd verwegener an als mancher Westernheide

Ein Held, ein „Kulturheld“ ist er mittlerweile fürwahr, immerhin zählt er – neben Heinrich Böll, seinem Duzfreund – zu den international bekanntesten deutschen Künstlern der Nachkriegszeit. Trotz – oder wegen? – aller Anfeindungen, denen er seit Jahren ausgesetzt ist.

Sein Ruhm ist nun gar bis nach Halifax, in Kanada ist das, gedrungen: Dort hat ihm das „Nova Scotia College of Art and Design“ die Ehrendoktorwürde verliehen.

Für viele ein Anlaß mehr zu Spott und Hohn: Zu dem Filzhut nun auch noch den Doktorhut! Wie er das wohl macht, der „Heilige Joseph“, gleich mit zwei Hüten über der hohen Künstlerstirn? Leider kein Problem. Das „Nova Scotia College“ gilt als das progressivste auf dem nordamerikanischen Kontinent und hat auf das behütete Zeremoniell verzichtet, ja sogar auf eine offizielle Laudatio, wie sie den auf solche Weise Geehrten normalerweise zugemutet wird.