Aus Freiburg nichts Neues: das gilt nur für die endgültige Bekräftigung der freidemokratischen Zusage an die SPD, das Bonner Bündnis fortzusetzen. Unerwartet hingegen war die Härte, mit der Hans-Dietrich Genscher auf dem Wahlkongreß der FDP die Trennungslinie zur CDU/CSU gezogen hat.

Dabei war nicht allein jenes Kalkül im Spiel, das den Liberalen gebietet, auch den Anschein eines Schwankens zu vermeiden. Die Konsequenzen, die ihre unklare Haltung bei den badenwürttembergischen Landtagswahlen nach sich zog, sind noch in frischer Erinnerung. Aber vor allem wird die FDP durch die Unionsschablone, die nur die Wahl zwischen Freiheit oder Sozialismus kennt, an die Seite der SPD gerückt. In diesem Grundsatzstreit kann es der FDP nur noch darum gehen, am 3. Oktober gemeinsam mit den Sozialdemokraten durchs Ziel zu gehen.

Genschers Auflockerungsstrategie nach dem Regierungswechsel in Hannover gerät darüber vollends in den Hintergrund. Wie schwer die notwendige Konsolidierung der Sozialpolitik dem SPD-FDP-Bündnis fallen mag, ist ebenso zweitrangig geworden wie umgekehrt die Frage, welche Gemeinsamkeiten zwischen der Union und der FDP in der Wirtschaftspolitik bestehen. Dabei würden sachliche Gemeinsamkeiten gerade der Opposition bei einem sehr knappen Wahlausgang nützen. Statt dessen hat sie mit ihrer Kampfparole auch bei der FDP eine Generalmobilmachung ausgelöst. Der Scheidestrich, den die Liberalen in Freiburg gegenüber der Union gezogen haben, läuft über den 3. Oktober hinaus.

C.-C. K.