Ob die Idee französisch ist? Man hat unlängst die Parkuhren benutzt, um Geld zum Besten körperbehinderter Kinder zu sammeln. Das war an einem Wochenende, also an den Tagen, wo auch in den französischen Städten Autos kostenlos: an den Parkometern abgestellt werden dürfen. Der Versuch ist erfolgreich gewesen, man will ihn fortsetzen.

Mag sein, daß die Hilfsbereitschaft kräftiger herausgefordert wird, wenn sich den Passanten Menschen von Fleisch und Blut, am besten hübsche Mädchen, in den Weg stellen, um eine Spende für einen guten Zweck zu erbitten. Man will solche Helfer nicht gern enttäuschen, und dann kann man von ihnen womöglich auch eine Ansteckblume aus Papier bekommen: sichtbares Zeichen, daß man genügend wohltätig war und sich für diesen Tag freigekauft hat. Man geniert sich leicht. Vor einer Parkuhr sich zu genieren, das bringen nur die wenigsten fertig. Eiskalt kann man da vorübergehen. Das metallene Ding rührt sich nicht. Es ist aber nicht nur stumm, es ist auch diskret. Jedenfalls am Wochenende.

In Paris hat dieses Unternehmen auch einen psychologischen Effekt gehabt. Hier scheinen die Parkohren im Alltag noch weniger geliebt zu werden als in anderen Städten. Man hat ihnen schon viel Böses zugefügt, sie verstopft, ja, umgekippt. Die Behörde hat sie immer wieder, aufgestellt, um Geld zu schröpfen, um den Leuten Schwierigkeiten und schlechtes Gewissen zu machen und um ihre Gespräche zu unterbrechen.

„Mein Gott, die Uhr ist abgelaufen. Entschuldigen Sie: ‚Ich muß mal raus!‘“

Plötzlich aber sieht man den Apparat mit anderen Augen an. Die alberne Maschine an ihrem glatten Stengel, sie kann ja direkt sympathisch sein.

Skeptiker haben allerdings vermerkt, einige Leute hätten am Wochenende Geld hineingesteckt; nicht etwa, um Gutes zu tun, sondern aus Angst oder Gewohnheit. Na und?