Die verbandspolitischen Ziele des Doppelpräsidenten

Von Rudolf Herlt

ZEIT: Mit der Übernahme der Doppelrolle als Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BdA) vom 1. Januar 1977 an werden die Unternehmerverbände der Industrie künftig nur noch mit einer Stimme sprechen, gleichgültig ob es um wirtschafts- oder sozialpolitische Fragen geht. Mit welchem wirtschaftspolitischen Konzept geht der neue Präsident an seine Aufgaben heran?

Schleyer: Das Konzept kann nur eine Fortsetzung der bisherigen Überlegungen des BDI sein. Es gibt keinen Anlaß, an diesem Konzept etwas zu ändern. Die Schwerpunkte der Arbeit werden zwangsläufig von außen gesetzt, von der Gesetzgebung, von der außenwirtschaftlichen Entwicklung, durch die Energiedebatte, von weltwirtschaftlichen und politischen Vorgängen. Zu den Schwerpunkten gehört aber auch die konsequente und strikte Ablehnung von Maßnahmen, die den Handlungsspielraum der Unternehmer einschränken, zum Beispiel durch eine wie immer geartete Investitionslenkung.

Vermögen per Tarif

ZEIT: Können Sie Ihr sozialpolitisches Konzept umreißen?

Schleyer: Wir müssen jetzt, da das Mitbestimmungsgesetz in Kraft ist, dafür Sorge tragen, daß die Eigentümervertreter im Aufsichtsrat, denen durch das Gesetz die Entscheidungsmöglichkeit in der Patt-Situation zugewiesen wurde, dieses Recht als Pflicht auffassen, damit die Entscheidungsfähigkeit der Unternehmen gesichert bleibt. Ein wichtiges Arbeitsgebiet bleibt auch im Blick auf 1977 die Koordinierung der Tarifpolitik, denn es geht darum, den Aufschwung, den wir erfreulicherweise im Augenblick erleben, abzusichern. Die Ertragsverbesserung der Unternehmen darf nicht ein einmaliger Vorgang des Jahres 1976 bleiben, denn nur über angemessene Erträge sind Investitionen möglich. Wir müssen die Arbeitsmarktprobleme lösen, die vor uns stehen. Ein weiterer Punkt ist die Vermögensbildung und die Mitwirkung bei der Stabilisierung unseres sozialen Sicherungssystems, nämlich der Renten- und Krankenversicherung, die beide in eine schwierige finanzielle Lage geraten sind.