Der Wert der in Berlin ausgetragenen 2. Damen-Hockey-Weltmeisterschaft darf nicht an der Einseitigkeit ihrer Spielresultate gemessen werden. Unbestritten konrte kaum vom Reiz der Ungewißheit über die Vergabe der Medaillen gesprochen werden, weil die Bundesrepublik, die Niederlande als Titelverteidiger und Argentinien als Medaillenempfänger schon vor Turnierbeginn gehandelt wurden. Solange der Rest des elf Mannschaften umfassenden Teilnehmerfeldes nur zur Ausstaffierung dient, scheint der anspruchsvolle Titel Weltmeisterschaft einfach zu hoch gegriffen zu sein.

Man konnte kaum ernsthaft vom Kampf der besten Hockeyfrauen der Welt um die Führungsposition sprechen, weil die Hockeyspielerinnen von der britischen Insel, die Australierinnen, Neuseeländerinnen oder US-Girls nicht beteiligt waren. Die Hockeyladies treiben nämlich ihr eigenes Spielchen mit der Weltmeisterschaft. Als unter Führung der Deutschen und Niederländerinnen die vornehmlich nicht englischsprechenden Nationen ihre Zuneigung zum vom Internationalen Olympischen Komitee anerkannten Weltverband FIH (Federation Internationale de Hockey) bekannten und 1974 in Südfrankreich erstmals um einen Meistertitel stritten, sprang ein Jahr später der ausschließlich Frauen vorbehaltene, stockkonservative Weltverband „International Federation of Women’s Hockey Association“ (IFWHA) über den eigenen Schatten. Die IFWHA organisierte eine Konkurrenz-Weltmeisterschaft – wohl auch in der Hoffnung, jene Damen wieder in den geschlechtsspezifischen Verband zurückzulocken, die sich allzu bereitwillig in der FIH den Männern an den Hals geworfen hatten.

Deutsche, Niederländerinnen, Argentinierinnen und wer sonst noch in Berlin vertreten war aber widerstanden Verlockungen. Ihre Wortführerin, die Damen-Wartin des Deutschen Hockey-Bundes Bärbel Kolbenschlag, hatte sehr wohl erkannt, daß der Weg zur olympischen Anerkennung des Damen-Hockeys nur über die gemeinsame Sache der Frauen mit den Männern in einem Weltverband führen kann. Da das IOC seit altersher die FIH als Gesprächspartner akzeptiert, mit dem Ladies-Klub aber nichts zu tun haben will, gaben die progressiven kontinentaleuropäischen Hockeydamen und ihre überseeischen Gespielinnen dem Druck von außen nach.

Und damit läßt sich auch der Wert einer sportlich sicherlich noch zu einseitigen 2. Damen-Hockey-Weltmeisterschaft in Berlin erklären; Die der FIH verbundenen Damen bewiesen nachdrücklich ihren Selbstbehauptungswillen. Berlin ist für das Damenhockey der wichtigste Meilenstein auf dem Weg zur ersten Olympiateilnahme 1980 in Moskau gewesen.

Aber noch ein Aspekt ist im Zusammenhang mit der olympischen Anerkennung für 1980 zu berücksichtigen. Das Berliner WM-Turnier hat sehr deutlich gezeigt, daß der von Frauen betriebene Aufwand im Hockeysport noch längst keinen Vergleich zu althergebrachten olympischen Sportarten aushält. In der Relation zu anderen Sportarten und selbst schon zum Männerhockey ist Damenhockey nur ein fast intern betriebener Sport. Wo anders kann es sich eine deutsche Nationalmannschaft erlauben, erst fünf Tage vor Beginn einer Weltmeisterschaft ihr Trainingslager zu beginnen, um dann beim Turnier dennoch eine dominierende Rolle zu spielen?

Die Höchstleistungsfetischisten mögen darüber nur den Kopf schütteln. Aber mit Sicherheit trifft zu, daß die Hockeyfrauen, die noch ohne die Verkrampfung des Höchstleistungssports um Welttitel kämpfen, am ehesten hehren olympischen Amateuridealen entsprechen. Der Beweis: Argentiniens Sportlerinnen mußten für das Vergnügen, an einer solchen Weltmeisterschaft teilnehmen zu können, die Hälfte ihrer nicht unerheblichen Reisekosten durch Eigenleistungen aufbringen. Hanspeter Detmer