Erfahrungen mit „autonomen Gruppen”

Von Michael Jungblut

Vor allem drei Lehren sind es, die das den Arbeitgebern „nahestehende Institut der Deutschen Wirtschaft in einer Broschüre „Die Humanisierung – Industriearbeit im Wandel“ aus den bisherigen Erfahrungen mit neuen Formen der Arbeitsorganisation in der Bundesrepublik ziehen zu können glaubt:

  • Viele Arbeitnehmer stellen keine höheren Anforderungen an ihre Arbeitsaufgabe;
  • für die menschengerechte Gestaltung der Arbeitsbedingungen gibt es kein Patentrezept und kein allgemein verbindliches Einführungsdatum;
  • im Bereich der Arbeitsbedingungen ist sicherlich vieles technisch machbar, aber nicht oder noch nicht finanzierbar.

Inwieweit dies richtig ist, und daß bessere Arbeitsbedingungen keineswegs immer viel Geld kosten müssen, zeigt das Beispiel des schwedischen Pharmazie-Konzerns Astra.

Zu Beginn der siebziger Jahre entdeckte das Management immer deutlichere Anzeichen dafür, daß die Beschäftigten in den Produktions- und Verpackungsabteilungen des Unternehmens in Södertälje bei Stockholm mit den Verhältnissen am Arbeitsplatz unzufrieden waren: hohe Kündigungsraten und häufiges Krankfeiern, sinkende Produktivität, wachsende Spannungen zwischen Arbeitern und Vorgesetzten.

Da der damalige Vorstandschef der Ansicht war, die Industrie müsse „selber Lösungen für neue soziale Probleme entwickeln, statt erst auf gesetzlichen Zwang hin zu handeln“, wurde nach Mitteln und Wegen gesucht, um Monotonie und Fremdbestimmung am Arbeitsplatz abzubauen.