Der clevere Angestellte eines Frankfurter Reisebüros bekommt durch seine guten Beziehungen regelmäßig ein gewisses Kontingent an Freiflügen. In diesem Frühjahr entschloß er sich, in den Fernen Osten zu reisen. Da er nicht nur clever, sondern auch bequem ist, griff er dabei zu einem Trick, der sich unter Eingeweihten längst eingebürgert hat. Wenn nämlich in der Ersten Klasse Plätze frei sind, darf er mit seinem Spezialticket dort einen der komfortablen Sessel beanspruchen. Um wirklich sicherzugehen, buchte er einfach telephonisch auf den Namen Reinhold zwei First-Class-Plätze. Da es die Reinholds aber gar nicht gibt, konnten sie auch zum Abflug gar nicht erscheinen, und unser pfiffiger Reisender ließ sich während des Langstreckenfluges auf dem reservierten, aber zwangsläufig leergebliebenen Gestühl verwöhnen.

Natürlich ist das geschilderte Beispiel ein Extremfall, doch in abgewandelter Form hat fast jeder Fluggast schon einmal ähnlich gehandelt, indem er einen gebuchten Flug nicht antrat. Jene Gäste, die trotz Reservierung und ohne Benachrichtigung der Airline nicht abfliegen, nennt man in der Luftverkehrssprache nennt shows“, Nichterschienene.

„Diese Leute sind für uns ein immenses Problem“, klagt ein Sprecher der Deutschen Lufthansa, „sie erschweren die Sitzplatzplanung und kosten uns viel Geld, denn die verschiedenen Buchungsvorgänge zahlt uns keiner.“ Zwar ist der Flugschein rechtlich gesehen ein Vertrag mit der jeweiligen Gesellschaft, doch ist ein kostenloser Rücktritt – im Gegensatz zu den meisten anderen Verträgen in der freien Wirtschaft – jederzeit möglich.

Anders als beispielsweise die Deutsche Bundesbahn, die seit September letzten Jahres für zurückgegebene oder nur teilweise genutzte Fahrkarten eine generelle Bearbeitungsgebühr von 5,20 Mark erhebt, verlangen die Fluggesellschaften bislang keine Stornierungsgebühren. Und das, obwohl sie das Recht dazu hätten. Ihr Dachverband, die IATA (International Air Transport Association), hat bereits vor mehreren Jahren eine sogenannte „No-show-fee“ beschlossen, nach der ein absagender Gast 25 Prozent des Flugpreises zu zahlen hat. Diese Aktion erwies sich jedoch sehr schnell als ein Schlag ins Wasser, weil nur wenige Unternehmen davon Gebrauch machten.

„Das geht doch gar nicht“, empört sich der Besitzer eines Reisebüros. „Wie sollen wir unserer Firmenkundschaft klarmachen, daß der Herr Direktor eine Strafe zahlen muß, wenn ihn geschäftliche Gründe zwingen, blitzschnell nach Rio anstatt nach Rom zu fliegen?“

Fazit: Die Fluggesellschaften müssen mit dem Problem leiten. Um das Risiko einer halbleeren Maschine so gering wie möglich zu halten, wird deshalb oft „fett“ gebucht, werden also mehr Plätze bestätigt, als vorhanden sind. Einer Hamburger Lehrerin wurde das zum Verhängnis. Trotz langfristiger und („O.K.“) bestätigter Buchung wurde sie (obwohl ein „Go-show“) am Flughafen abgewiesen. Die Maschine war überbucht.

Die Lufthansa, die mit mindestens zehn Prozent, auf Kurzstrecken sogar mit mehr „No-shows“ kalkulieren muß, bietet später buchenden Passagieren die Warteliste an. Wer dort als sogenannter „Stand-by“-Gast an vorderer Stelle notiert wird, kann fast sicher sein, auch einen Platz zu bekommen – einen Anspruch hat er allerdings nicht.