Hervorragend

Felix Mendelssohn-Bartholdy: „Klaviertrio op. 49“ Robert Schumann: „Klaviertrio op. 63“. Ein legendäres Trio: Jacques Thibaud, der erste Sensibilist unter den Geigern, Pablo Casals, der vielleicht umfassendste Cellist unseres Jahrhunderts, und Alfred Cortot, der Poet unter den Pianisten. 1905 wurde das Ensemble gegründet, aus den Jahren 1927/28 stammt die vorliegende Aufnahme. Schwer zu sagen, was sie mehr auszeichnet: die technische Brillanz, mit der hier musiziert wird; die geradezu unwahrscheinlich anmutende Harmonie des Zusammenspiels, vor allem in jenem Artikulations- und Nuanderungscharakter, den man mit „empfindsam“ nur unzureichend beschriebe; oder die spontane Agogik der Interpretation, die mit Leidenschaft sowohl wie zarter Verhaltenheit die Konturen der Motive und Themen hervorhebt. (Electrola Dacapo 1 C 049-01, 808, 11 Mark) Heinz Josef Herbort

„Kabarett und Chansons der dreißiger Jahre“. Das Eindrucksvollste an dieser (gottlob gerade preisgekrönten) Schallplatte ist die, sagen wir: verblüffend erwachsene Art, albern zu sein. Manchmal gilt der Ulk überaus harmlosen Gefühlen (wie sie etwa Peter Igel hoff singt: „Ich bin ja so verschossen in deine Sommersprossen“); manchmal zielt der Witz tollkühn auf den politischen Machthaber (wie Weiss-Ferdls Nazi-Spötterei von 1934); manchmal ist man belustigt über prophetische Persiflagen (wie Kurt Gerrons Lied über die Fußgänger, einen „Völkerstamm, den es nicht mehr gibt“, seitdem „tausend Autos rasen, tausend Hupen blasen“, und zwar 1929). Man staunt über die Selbstverständlichkeit dieses buntgeblümten Humors. Man merkt plötzlich, was unsere bitterböse, auf Ernst eingeschworene Zeit an komponierten und gereimten Ausdrucksmöglichkeiten ausläßt. Weder „Sputnik“ noch „Apollo“ haben so etwas bekommen wie der Forscher Piccard, ein Chanson, in dem Hilde Hildebrand fragt, was er in der Stratosphäre wolle, und vermutet: „Er faßt nur frisch und froh alle Englein am Trikot und an der Ehre...“ (Telefunken 6.41908 AJ, 14,80 DM)

Manfred Sack

Hörenswert

Stephen Stills: „Illegal Stills“. In Fan-Zirkeln ist es Mode geworden, den genialischen Komponisten Neil Young gegen den wandlungsfähigeren und schlicht besseren Musiker Steve Stills ausspielen zu wollen. Dabei vergessen sie, daß sich diese unterschiedlichen Musikerpersönlichkeiten oft auf ideale Weise ergänzt haben. Stills’ voriges, vielfach unterschätzte! Solo-Album enthält genauso wie dieses einige hervorragende Blues-, Latino-Soul- und Rock-Songs, blendende solistische Leistungen und inspirierte Melodien. Einziger Fehlgriff ist die als Hard Rock instrumentierte Nummer „The Loner“, ironischerweise ein Song, den Neil Young über Stills geschrieben hatte.

Franz Schöler