Die in Käfigen verwahrten Barbaren, die römische Feldherren einst von ihren Kriegszügen mitbrachten und stolz zu Hause vorzeigten, das waren die ersten Souvenirs in der Geschichte des Reisens. Inzwischen leben rund um den Globus ganze Industriezweige von Produktion und Verkauf jener Erinnerungsstücke, die der Reisende zum Schmuck seines Heims oder zur Beglückung der Zuhausegebliebenen erwirbt. Kunst und Kitsch, Witziges und Krampf, Objekte vom angeblich echten Indianerspeer bis zum glöckchenklingenden Bierkrug läppern sich bei den Touristen zusammen.

Das totale Glücksgefühl, nach dem Vorbild der alten Römer auch Lebendiges mitzubringen, kann sich freilich in unserer von Seuchengesetzen und Einfuhrvorschriften bürokratisierten Zeit beim Urlauber nicht mehr einstellen. Grenzer fahnden nach frischen Pflanzen und lebenden Tieren; Souvenirs vom Orangenzweig bis zur Klapperschlange, vom Eukalyptusbaum bis zum Urwaldaffen füllen die Verwahrungsräume der Grenzpolizei.

Viel schlimmer als der Versuch, ein Thai-Mädchen als Erinnerungsstück an schöne Stunden in die Bundesrepublik einzuschmuggeln, werten es Bayerns Grenzwächter, wenn sich ein Reisender erdreistet, eine jener Löwen-Tafeln „Freistaat Bayern“ abzumontieren, die an den Landesgrenzen des Freistaates bajuwarische Eigenständigkeit manifestieren. Zu 3000 Mark Buße, 100 Mark. Montagekosten und zur Herausgabe des als Souvenir mitgenommenen Schilds verurteilte jetzt das Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen die Missetat eines 27jährigen. Er war von einem Radfahrer bei der heimlichen Selbstbedienung beobachtet und angezeigt worden. (Die staatsbürgerliche Gesinnung des einheimischen Radfahrers fand das Gericht so lobenswert, daß es ihm 100 Mark Belohnung zusprach.)

Natürlich wollte das Gericht ein Exempel statuieren. Alljährlich verschwinden an Bayerns Grenzen einige hundert der schönen Schilder, aber nur selten werden die Souvenirjäger gefaßt. Schließlich könne man nicht an jeder Tafel eine Wache aufstellen, heißt es bei der Grenzpolizei. Gewiß sei man schon auf die Idee gekommen, zum Nutzen der Staatskasse die Schilder als Souvenirs herstellen und an den Grenzen feilbieten zu lassen. Doch verbiete eine Verordnung der Staatsregierung die Verwertung des „großen Staatswappens“ zu kommerziellen Zwecken.

jv