In den nächsten Tagen muß an den deutschen Börsen mit einem weiteren Kursverlust gerechnet werden“, meinte der Wiethoff-Report noch Ende vergangener Woche. Die Stimmung am Aktienmarkt war in der gesamten Woche ausgesprochen schlecht. Bankiers und Börsianer nahmen der Bundesbank übel, daß sie mit dem Verkauf von Schuldpapieren zu attraktiven Konditionen den Markt „sauer“ machte. Einjährige Papiere trugen eine Rendite von 4,75 Prozent, fünfjährige von 8,10 Prozent. Wer wollte sich da noch mit 7,5 Prozent bei achtjähriger Laufzeit – wie für die vertagte Anleihe vorgesehen – begnügen?

Der erste Zinsanstieg seit Oktober 1974 scheint damit vorprogrammiert zu sein. Doch dann schöpfte die Börse ganz plötzlich zum Wochenende doch noch Hoffnung. Statt des prophezeiten Kursverfalls ging es wieder nach oben; zwar nicht spektakulär, doch genug, um die Katerstimmung zu vertreiben. Gefragt war natürlich der Star der Börse, die Mannesmann-Aktie. Der hervorragende Abschluß des Unternehmens trotz Rezession zog Anleger wie ein Magnet an die Börse.

Einen Nachholbedarf hatten offensichtlich auch die Bankaktien. Die BHF-Bank legte allein am vergangenen Freitag sieben Mark zu, die Deutsche Bank runde fünf Mark, Die Stabilisierung setzte sich am Montag und am Dienstag zu Beginn der Börsensitzung fort. Die ausgeprägte Schwäche der vergangenen Wochen hatten offensichtlich etliche Anleger zu verstärkten Käufen gereizt, die jetzt – ausgelöst durch das gute Freitagsgeschäft – auch noch am Montag einstiegen. Bei den Autowerten legte Daimler runde neun Mark zu, BMW fünf Mark.

Erste Schritte nach vorn machte auch der Rentenmarkt. Hier war man bereits froh, daß der Verkaufsdruck nachließ. Das Kursniveau konnte somit gehalten werden. Die Diskussion um eine mögliche Steigerung des Zinses, die den Markt völlig außer Fassung gebracht hatte, verflog. Statt eines höheren Anleihezinses wäre ja auch eine Verkürzung der Laufzeiten für die neuen Bundesanleihen denkbar. Ob diese „Stabilisierung“ tatsächlich anhält, muß abgewartet werden.

Drei freundliche Tage sollten allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, daß den Akteuren an der Börse der Schreck der jüngsten Ereignisse noch in den Knochen steckt. Solange die Augen fast hypnotisch auf die Bundesbank gerichtet sind und jede Äußerung der Währungshüter zu Reaktionen an der Börse führt, ist mit einer normalen Entwicklung nicht zu rechnen. jfr.