In Frankreich wurde ein kommunistischer Bürgermeister und Geschäftsmann zu einer Millionen-Buße verurteilt

Kommunistische Kapitalisten mit Millionenvermögen – gibt es so etwas? Den Franzosen fällt die Antwort leicht. Denn sie alle kennen Jean Doumeng, den 56 Jahre alten kommunistischen Bürgermeister der Gemeinde Noé bei Toulouse, den roten Millionär, der sein Riesenvermögen unter anderem im Weinhandel gemacht hat. Auf nicht ganz saubere Art, wie jetzt ein Gericht in Toulouse feststellte. Der geschäftstüchtige Genosse wurde wegen Verstoßes gegen die europäischen Weingesetze zu der Kleinigkeit von zwanzig Millionen Francs Strafe verdonnert.

Doumeng ist im Pariser Schickeria-Restaurant Maxime’s genauso zu Hause wie im Glaspalast der Parteizentrale. Mit Ministern, Bürokraten, Botschaftern oder geistlichen Würdenträgern weiß er ebenso umzugehen wie mit einfachen Landwirten. Er wohnt in einer Villa mit Luxusgarten und Swimming-pool, fährt einen Mercedes, reist im eigenen Flugzeug oder Hubschrauber und leistet sich Pferde zum morgendlichen Ausritt.

Heute ist Doumeng Chef von etwa vierzig Firmen, darunter eine Traktorenfabrik und die gewinnträchtige Import-Export-Gesellschaft Interagra. Doumeng war es, der vor ein paar Jahren von den EG-Ländern subventionierte Kühlhausbutter zu Schleuderpreisen an die Sowjetunion verkaufte. Er gebietet über ein Zehntel der französischen Rinderzucht. Seine landwirtschaftlichen Genossenschaften vereinigen 150 000 Bauern und Winzer. Auch im Immobiliengeschäft verdient Doumeng, und sogar beim exklusiven Modemacher Jacques Esterei ist er Aktionär.

Die Partei läßt den roten Provinzfürsten gerne gewähren, denn er bringt Geld in die Kasse. Außerdem hat er sich für den Verkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse an Länder des Ostblocks fast unentbehrlich gemacht, auch für das Landwirtschaftsministerium in Paris. Solche Kontakte können für eine Partei äußerst wertvoll sein, die vielleicht schon in zwei Jahren den Agrarminister stellen wird. Schließlich gab sich Doumeng als Bürgermeister und Vertreter im Rat seines Departements stets als treuer Kommunist, den man gerne als Aushängeschild nutzt.

Doumeng kann sich rühmen, allenfalls Gegner, aber keine Feinde zu haben. Seinen augenfälligen Reichtum kommentiert er ausweichend: „Ich würde am liebsten gar nichts besitzen und statt dessen überall zu Hause sein.“ Daß man ausgerechnet ihm einen Weinpanscher-Prozeß anhängt, empfindet er als Kränkung. Schließlich wollte er nur 840 Weinbauern dreier Winzergenossenschaften zu einem angemessenenen Einkommen verhelfen.

Das beanstandete Verfahren ist in Frankreichs Süden keineswegs selten: Der vor Ort gekelterte Wein wird mit italienischem Rebensaft gemischt, um ihn süßer und alkoholhaltiger zu machen. Doumengs Leute taten aber offensichtlich des Guten zuviel und fielen damit den amtlichen Kontrolleuren auf.

Daß sie mit dem Produkt sogar einen zweiten Preis bei einem Qualitätswettbewerb erzielten, ließ die Richter ungerührt. Sie verdonnerten Doumeng und seine Genossenschaft zu zwanzig Millionen Francs Strafe. Der beanstandete Wein wurde beschlagnahmt und kann nur für weitere 30 000 Francs freigekauft werden. smi